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HIV-Infektion, AIDS

HIV ist die Abkürzung für Human Immunodeficiency Virus (Humanes Immundefizienz-Virus), AIDS für Acquired Immuno Deficiency Syndrome (Erworbenes Immundefekt-Syndrom). Als HIV-positiv wird jede Person bezeichnet, bei der das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) direkt oder indirekt im Blut nachgewiesen wurde. Mehrere Tage bis drei Monate nach der Ansteckung mit dem HI-Virus, selten länger, kann es zur akuten HIV-Erkrankung kommen: Die Symptome sind unspezifisch und denen eines grippalen Infekts ähnlich. Es folgt ein krankheitsfreies Intervall von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. Die HIV-Infektion verläuft in mehreren Stadien. Nach der Zahl der im Blut vorhandenen T-Helferzellen wird dem jeweiligen Buchstaben ein Zahlenwert zugewiesen, sodass eine Klassifizierung von A1 bis C3 entsteht (mehr als 500 T-Helferzellen/µl Blut = 1, 200 bis 499 T-Helferzellen/µl Blut = 2, weniger als 200 T-Helferzellen/µl Blut = 3).

HIV-Erkrankungen werden in der Regel nach der CDC-Klassifikation eingeteilt.

Die Einteilung basiert auf drei verschiedenen Kategorien, die sich aus dem klinischen Bild ergeben (A−C):

Kategorie A bezeichnet eine asymptomatische HIV-Infektion.

Unter Kategorie B werden Krankheiten zusammengefasst, die nicht als Aids definierend gelten, aber im Zusammenhang mit einem Immundefizit zu stehen scheinen. Zu diesen gehören:

  • bazilläre Angiomatosen
  • Entzündungen des kleinen Beckens, besonders bei Komplikationen eines Tuben- oder Ovarial abszesses
  • ausgedehnter oder häufig wiederkehrender Herpes zoster (Gürtelrose)
  • thrombozytopene Purpura
  • lang anhaltendes Fieber oder Durchfälle , die länger als einen Monat anhalten
  • Listeriose
  • orale Haarleukoplakie
  • oropharyngeale Candidosen
  • chronische oder schwer zu therapierende vaginale Candidosen
  • zervikale Dysplasien
  • Carcinoma in situ
  • periphere Neuropathie .

Kategorie C umfasst die Aids definierenden Erkrankungen . Es handelt sich um meist opportunistische oder maligne Erkrankungen, die bei einem gesunden Immunsystem nicht oder nicht in der beschriebenen Weise auftreten. Zu ihnen gehören:

Kutanes Kaposi-Sarkom bei einem AIDS-Patienten

  • Candidosen der Atemwege oder der Speiseröhre
  • Cytomegalievirus -Infektionen (außer Leber , Milz und Lymphknoten )
  • CMV - Retinitis (mit Einschränkung der Sehschärfe)
  • HIV-bedingte Enzephalopathie
  • Herpes simplex mit chronischen Ulzera (> 1 Monat) oder durch Herpes simplex bedingte Bronchitis
  • Pneumonie oder Ösophagitis
  • chronische Histoplasmose
  • intestinale Isosporiasis
  • Kaposi-Sarkom
  • disseminierte oder extrapulmonale Kokzidioidomykose
  • extrapulmonale Kryptokokkose
  • chronisch intestinale Kryptosporidiose
  • immunoblastisches , primär zerebrales oder Burkitt-Lymphom
  • extrapulmonale und atypische Mykobakteriosen
  • Pneumocystis - Pneumonie
  • rezidivierende bakterielle Pneumonien (länger als 1/Jahr)
  • progressive multifokale Leukenzephalopathie
  • rezidivierende Salmonellen - Septikämie
  • Tuberkulose
  • zerebrale Toxoplasmose
  • Wasting-Syndrom
  • invasives Zervixkarzinom

Aids wurde am 1. Dezember 1981 als eigenständige Krankheit erkannt und tritt in Gestalt einer Pandemie auf. Die WHO schätzt die Anzahl der 2006 an Aids Verstorbenen auf etwa 2,9 Millionen Menschen, mit 39,5 Millionen lebenden Infizierten und 4,3 Millionen Neuinfektionen im Jahr. Der Anteil der HIV-Infizierten liegt weltweit durchschnittlich bei etwa 1 % der 15- bis 49-jährigen, erreicht in einzelnen afrikanischen Staaten jedoch Werte um 20 %.

Neueste medikamentöse Behandlungsmethoden und die häufig damit verbundenen Chemotherapien sowie weitere alternative Verfahren, um die AIDS-Folgekrankheiten wie Hepatitis B und C, Fettstoffwechselstörungen, Lungenerkrankungen, zusätzliche Pilzinfektionen, Erkrankungen der Lymphdrüsen, des Magen-Darm-Traktes, Tumorbehandlung, Papillomvirenbefall und die häufigsten Komplikationen der HIV-Infektion auch in Zusammenhang mit Suchterkrankungen in den Griff zu bekommen, stehen bei der individuellen Therapieplanung sowie den antiretroviralen Behandlungsmöglichkeiten  bei Problemfällen im Mittelpunkt des Interesses von Arzt und Patient.

Wir berichten detailliert darüber und nennen die neuesten therapeutischen Möglichkeiten, um der Immunschwäche wirkungsvoll zu begegnen, auch wenn bis heute ein Impfstoff noch fehlt.

Medikamentöse Therapie (Kurzübersicht)

Mittel der 1. Wahl

Sustiva 50/200 mg Hartkapseln, 600 mg Filmtbl., 30 mg/ml Lösung zum Einnehmen, Wirkstoff: Efavirenz, von Bristol-Myers Squibb. Zur antiretroviralen Kombinationstherapie von HIV-1 infizierten Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern im Alter ab 3 Jahren. In der Studie ACTG 5142 wurde ein signifikant kürzerer Zeitpunkt bis zum virologischen Versagen unter LPV/r + 2 NRTIs im Vergleich zu EFV + 2 NRTIs nachgewiesen. 30 Hartkapseln 50 mg Euro 43,91, 30 Filmtbl. 600 mg Euro 420,26

Weitere Informationen für den Arzt: hier

Weitere Präparate:

  • Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren: verhindern im Replikationszyklus des Virus die Umschreibung des RNA-Genoms in doppelsträngige DNA. Auf diese Weise wird die Verbreitung des Virus unterbrochen. Retrovir® (Zidovudin) 2 x 250 mg tgl., Epivir® (Lamivudin) 2 x 150 mg tgl., Combivir® (AZT/3TC) 2 x 1 Tablette tgl. (300 mg AZT und 150 mg 3TC), Ziagen® (Abacavir) 2 x 300 mg tgl., Trizivir® (AZT/3TC/ABC) 2 x 1 Tablette tgl. (300 mg AZT, 150 mg 3TC,, 300 mg ABC), Viread® (Tenofir Disoproxil Fumarat) 1 x 300 mg tgl., Videx® (Didanosin) 1 x 250-400 mg tgl., Zerit® (Stavudin) 2 x 30-40 mg tgl., Hivid® (Zalcitabin) 3 x 0,75 mg tgl.
  • Protease-Inhibitoren: der virale Reifungsprozess wird durch die Hemmung der HIV-Protease unterbrochen. Agenerase® (Amprenavir) 2 x 1.200 mg tgl. als Monotherapie, in Kombination mit RTV 2 x 600 mg tgl., Crixivan® (Indinavir) mono 3 x 800 mg tgl., Fortovase® (Saquinavir) 3 x 1.200 mg tgl., Invirase® Saquinavir-Mesylat) 3 x 600 mg tgl., in Kombination mit RTV 2 x 100 mg tgl., in Kombination mit SQV 2 x 1.000 mg tgl., Kaletra® (Lopinavir/Ritonavir) 2 x 400 mg LPV, 100 mg RTV, Norvir® (Ritonavir) mono 2 x 600 mg tgl., Viracept® (Nelfinavir) 3 x 750 mg tgl. oder 2 x 1.250 mg tgl., Telzir® (Proteasehemmer Ribonavir geboostert, Foranpenavir), ReyatazTM (Atazamavir), sollte mindestens mit zwei anderen Wirkstoffen kombiniert werden, normalerweise zusammen mit 2 NNRTI’s.
  • Nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren: nicht kompetitive Inhibitoren am aktiven Zentrum des Enzyms. Viramune® (Nevirapin) 14 Tage 1 x 200 mg tgl., dann 2 x 200 mg tgl., Sustiva® (Efavirenz) 1 x 900 mg tgl., Rescriptor® (3 x 400 mg tgl.
  • Fusionsinhibitoren: verhindert die Verschmelzung des Virus mit der Wirtszelle. Fuzeon® (Enfurvirtide) 2 x 90 mg tgl. s.c. Truveda® in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten
  • Kivexa von GSK
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