medicinebook.de

medicinebook - Medizinbuch - das Healthcareportal
Top-Arzneimittel / Kopf- und Gesichtsschmerzen

Kopf- und Gesichtsschmerzen

Episodisch oder chronisch auftretende Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich. Unterschiedliche Typen:

  • Spannungskopfschmerz
  • Migräne
  • Cluster-Kopfschmerz
  • Zervikogener Kopfschmerz
  • Anlagetikainduzierter Kopfschmerz
  • Trigeminusneuralgie

Spannungskopfschmerz

Erhöhte muskuläre Schmerzempfindlichkeit, auf Dauer Veränderung der Schmerzmodulation im Rückenmark und Gehirn. Auslöser erhöhte Aktivierung wie zum Beispiel durch körperlichen oder psychischen Stress, Depression.

Basistherapie:
  • Strategien zur Bewältigung von Stress und Alltagsbelastungen
  • Regelmäßige sportliche Betätigung
  • Kreislauftraining
  • Entspannungsmethoden
  • EMG-Biofeedback-Techniken
Medikamentöse Therapie:
  • Nicht-opioide Analgetika: Hemmung der Prostaglandin- und Thromboxansynthese durch Hemmung der Cyclooxygenase-Reaktion, Unterbrechung der Entzündungsreaktion im Gewebe. Aspirin® Migräne Brausetabletten (ASS) bei akuten Schmerzen 1 x 1.000 mg, < 7.000 mg pro Monat.
  • Nicht-steroidale Antirheumatika: Hemmung der Prostaglandin- und Thromboxansynthese, antiphlogistische, antipyretische und analgetische Wirkung. Imbun®, Aktren® (Ibuprofen) bei akuten Schmerzen 1 x 400 mg, 6.000 mg pro Monat, Proxen®, Aleve® (Naproxen) bei akuten Schmerzen 500-1.000 mg.
  • Paracetamol: gute analgetische und antipyretische Wirkung, keine antiphlogistische Wirkung. Ben-u-ron® (Paracetamol) bei akuten Schmerzen 1.000 mg,
  • Metamizol: analgetische, antipyretische und spasmolytische Wirksamkeit. Zentrale Hemmung der Prostaglandinsynthese durch Hemmung der Cyclooxygenase. Novalgin® (Novaminsulfon) bei akuten Schmerzen 1.000 mg.
  • Trizyklische Antidepressiva: zur Behandlung der chronischen Spannungskopfschmerzen, Unterstützung einer Änderung der Schmerzbewertung. Saroten® (Amitriptylin) 50-75 mg tgl., Equilibrin® (Amitriptylinoxid) 30-90 mg tgl., Anafranil Dolorgiet® (Clomipramin) 50-75 mg tgl.

Migräne

Attackenweiser Kopfschmerz mit einer Dauer von 4- 72 Stunden und Kopfschmerzfreiheit zwischen den Attacken. Einseitiger, pulsierender Schmerz.
Basistherapie:
  • Vermeidung der Auslöser, regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Vermeidung von unverträglichen Speisen
  • Stressabbau
  • Regelmäßiges körperliches Training
  • Erlernen von Entspannungsmethoden
  • Bei einer Migräneattacke sich in einem dunklen Raum aufhalten, von allen Stressfaktoren fernhalten.
Medikamentöse Therapie:

Wir empfehlen:
Mittel der 1. Wahl bei Migräne unter den Triptanen
Ascotop Filmtbl. 2,5 mg/-5 mg, 2,5/-5 mg Schmelztbl. und Nasal 5 mg/Dosis Nasenspraylösung mit dem Wirkstoff Zolmitriptan von AstraZeneca
Akutbehandlung von  Migränekopfschmerzen mit oder ohne Aura. Dosierungsempfehlung: 2,5 mg oder 5 mg Zolmitriptan so früh wie möglich nach Beginn des Migränekopfschmerzes einnehmen.
Weitere Informationen für den Arzt: hier
 
Mittel der 1. Wahl zur Migräneprophylaxe
Petadolex Kapseln als pflanzliches Migränemittel, als sogenanntes Spasmoanalgetikum bei Migräne und  Spannungskopfschmerzen von Weber & Weber. Dosierungsempfehlung zur
Migräneprophylaxe bei Erwachsenen: 1. Monat – 2 x tgl. 3 Kps., 2-6 Monat – 2 x 2 Kps. tgl.

Weitere Informationen für den Arzt: hier

Prokinetika: Behandlung der begleitenden Übelkeit, Beschleunigung der Magenentleerung und Dünndarmpassage, dadurch Resorptionsverbesserung der angewendeten Analgetika. Paspertin® (Metoclopramid) 20 mg, Motilium® (Domperidon) 10-20 mg.

  • Nicht-opioide Analgetika: wie bei Spannungskopfschmerz
  • Triptane: agonistische Wirkung an  Serotonin-1B/1D-Rezeptoren, Verengung der im Migräneanfall erweiterten Gefäße, Hemmung der Neuropeptidfreisetzung, Unterbrechung der Schmerzleitung. Imigran® (Sumatriptan) bei Bedarf 50-100 mg p.o., 25 mg rektal, 20 mg nasal, 6 mg s.c., Ascotop® Filmtabletten, Ascotop® nasal  (Zolmitriptan) bei Bedarf 2,5-5 mg; Maxalt® Tabletten (Rizatriptan) bei Bedarf 10 mg; Naramig®, Formigran® (Naratriptan) bei Bedarf 2,5 mg; Allegro® (bei Bedarf 2,5 mg; Almogran® (Almotriptan) bei Bedarf 12,5 mg; Relpax® (Eletriptan) bei Bedarf 20-40 mg.
  • Mutterkornalkaloide: angonistische Wirkung an Serotonin- 1B/1D-Rezeptoren.  Dihydergot® plus (Dihydroergotaminmesilat und Etilefrin) bei akuter Attacke 2,5-5 mg; Ergo-Kranit® Migräne (Ergotamintartrat) bei akuter Attacke 2 mg.
  • Migräneprophylaxe: Anwendung bei mehr als 3 Attacken pro Monat. b-Rezeptorenblocker: einschleichende und ausschleichende Dosierung erforderlich. Beloc®ZOK (Metorprolol) initial 25-50 mg, Enddosis 150-200 mg tgl., Dociton® (Propranolol) initial 20 mg, Enddosis 40-240 mg tgl., Concor® (Bisoprolol) initial 1,25-2,5 mg, Enddosis 5-10 mg tgl.; Flunarizin: Calciumantagonist. Sibelium® (Flunarizin) 5-10 mg tgl.; Valproinsäure: Antiepileptikum. GABA-erge Wirkung durch Verminderung des GABA-Abbaus. Ergenyl Chrono® (Valproinsäure) 500-600 mg tgl.; Topiramat: Antiepileptikum. Verstärkung des reizhemmenden Effekt von GABA, Reduktion des reizfördernden Einflusses von Glutaminat, Blockade von Calcium- und Natriumkanälen. Topamax® Migräne (Topiramat) initial 25 mg abends, Enddosis 50-100 mg tgl.; Naproxen: nicht-steroidales Antirheumatikum. Proxen® (Naproxen) 2 x 250-500 mg; Pestwurz: Petasites Wurzel, wirkt über die Hemmung der Lipoxygenase und Cyclooxygenase entzündungshemmend. Petadolex® (Pestwurz)  2 x 75 mg über mindestens 6 Monate. Amitriptylin: Saroten® (Amitriptylin) 50-150 mg tgl.

Clusterkopfschmerz

Bing-Horton-Syndrom; Erythroposopalgie; Histaminkopfschmerz. Strenge einseitige, seitenkonstante Kopfschmerzattacken um eine Augenhöhle herum. Charakter wehenartig, sehr stark, Auftreten meist nachts, häufig zur selben Zeit. Patienten zeigen ausgeprägten Bewegungsdrang. Zusätzliche Symptome Augentränen, Fließschnupfen, Lidödem, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit, Übelkeit.
Medikamentöse Therapie:
  • Sauerstoffinhalation
  • Lidocain: Xylocain® 4%ige Lösung (Lidocain) Instillation ins zum Kopfschmerz ipsilaterale Nasenloch.
  • Sumatriptan: agonistische Wirkung an Serotonin-1B/1D-Rezeptoren, Verengung der erweiterten Gefäße, Hemmung der Neuropeptidfreisetzung, Unterbrechung der Schmerzleitung. Imigran® s.c.-Injektionslösung (Sumatriptan) 6 mg pro Attacke, maximal 2 x 6 mg in 24 Stunden, Imigran® nasal (Sumatriptan) 1 x 10-20 mg pro Attacke.
  • Ergotamin: agonistische Wirkung an Serotonin-1B/1D-Rezeptoren. Cafergot® Supp. (Ergotamintartrat) in Kombination mit Coffein Ergo Kranit®Migräne zur Prophylaxe 2 mg als Supp. 2 Stunden vor der Attacke oder 2 x 2 mg als Tablette oder Supp.
  • Verapamil: Calciumantagonist zur Anfallsprophylaxe. Therapiedauer bei episodischem Clusterkopfschmerz auf die Dauer der Episode begrenzt, bei chronischem Clusterkopfschmerz Dauertherapie. Isoptin® (Verapamil) 3-4 x 80 mg tgl., maximal 720 mg.
  • Corticosteroide: zur kurzzeitigen Anfallsprophylaxe zur Überbrückung der Zeit bis zum Wirkungseintritt von Verapamil. Decortin® (Prednison).
  • Lithium: Quilonum® (Lithiumacetat) Dosierung nach TDM 0,4-1.2 mmol/L im Serum.

Zervikogener Kopfschmerz

Von der Nacken- und Okzipitalregion ausgehender Schmerz, der über den Kopf bis zu Stirn- und Augenhöhlenregion einstrahlt.

Medikamentöse Therapie:
  • Lokalanästhetika: Unterbrechung der Nervenleitfähigkeit durch Hemmung des Natriumeinstroms bei der Reizweiterleitung, Blockade der Wurzel C2, Lokalanästhesie des N. occipitalis major. Procain Steigerwald® (Procain), Xylonest® (Scandicain), Lidoject® (Lidocain).
  • Nicht-opioide Analgetika : Einsatz möglichst frühzeitig im Verlauf der Schmerzentstehung in ausreichend hoher Dosierung. Acetylsalicylsäure und andere saure antiphlogistische Analgetika, Paracetamol oder Metamizol.
  • Prokinetika: zur Behandlung der begleitenden Übelkeit. Paspertin® (Metoclopramid) 20 mg, Motilium® (Domperidon) 10-20 mg.
  • Physikalische Therapie: krankengymnastische Verfahren.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Problematisch ist der chronische Kopfschmerz bei Dauergebrauch von Analgetika.
 
Basistherapie:
Sofortiges Absetzen aller bisher eingenommenen Schmerz- und Migränemittel. Einnahme von Ergotamintartrat, Dihydroergotamin, Triptane und zentral wirksamen Analgetika  wie Tramadol und Tilidin meiden.
 
Medikamentöse Therapie:
  • Prokinetika: bei Übelkeit während des Arzneimittelentzugs, dopaminantagonistische Wirkung am D2-Rezeptor und Beeinflussung von Serotoninrezeptoren. Paspertin® (Metoclopramid) 3 x 20 mg, Motilium® (Domperidon) 3 x 10-20 mg.
  • Nicht-opioide Analgetika: Proxen®, Dolormin®GS (Naproxen)maximal 2 x 250-500 mg tgl., Voltaren® dolo (Diclofenac) maximal 2 x 50 mg tgl. Für 10 Tage.

Trigeminusneuralgie

Einseitige, schwere, einschießende Schmerzen, Dauer Sekunden bis maximal Minuten.

Medikamentöse Therapie:
  • Carbamazepin: Antiepileptikum, Angriff an Natriumkanälen und spannungsabhängigen Calciumkanälen, dadurch Erhöhung der Krampfschwelle und Senkung der Erregungsleitung, Verringerung der Anfallshäufigkeit. Tegretal® ret., Timonil®ret. (Carbamazepin) 600-1.500 mg tgl.
  • Phenytoin: Antiepileptikum. Zentropil® (Phenytoin) 300-400 mg tgl.
  • Gabapentin: Antiepileptikum. Neurontin® (Gabapentin) 900-2.400 mg tgl.
  • Baclofen: zentrales Muskelrelaxans, Stimulation von GABAB-Rezeptoren. Regelmäßige Einnahme erforderlich. Lioresal® (Baclofen) 30-75 mg tgl.

Neurochirurgische Verfahren: mikrovaskuläre Dekompression nach Janetta; Thermokoagulation des Ganglion trigeminale 

Drucken Drucken | PDF PDF