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Top-Arzneimittel / Multiple Sklerose

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS), Encephalomyelitis disseminata, ist eine chronisch-entzündliche Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) mit unklarer Ursache. Sie ist neben der Epilepsie eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter. Bei der Multiplen Sklerose treten im Gehirn und Rückenmark verstreut vielfache (multiple) entzündliche Entmarkungsherde auf. Da sie im gesamten ZNS auftreten können, kann die Multiple Sklerose fast jedes neurologische Symptom verursachen. Relativ häufige Symptome sind Sehstörungen mit Minderung der Sehschärfe und Störungen der Augenbewegung (internukleäre Ophthalmoplegie), aber nicht spezifisch für die Multiple Sklerose. Die Erkrankung ist nicht heilbar, der Verlauf kann durch verschiedene Maßnahmen jedoch günstig beeinflusst werden.

  • Primär schubförmig remittierend oder teilremittierend
  • Primär chronisch progredient
  • Sekundär chronisch.    
Schubtherapie:
  • Glucocorticoide: Unterdrückung der entzündlichen Prozesse. Solu-Decortin®H (Prednisolon) 5 x 500 mg oder 3 x 1.000 mg, evtl. orale Gabe ausschleichend über 8-10 Tage; Urbason® solubile  (Methylprednisolon) ; Fortecortin® inject (Dexamethason).
  • Begleittherapie: Magenschleimhautschutz durch Antazida Madralgat® oder H2-Blocker Ranitidin®. Bei Thromboserisiko Low-Dose-Heparinisierung. Bei Unruhe und Schlaflosigkeit niederpotentes Neuroleptikum oder Benzodiazepin.
Schubprophylaxe:

Wir empfehlen:
First-Line-Therapie
Rebif 8,8 Mikrogramm/22 Mikrogramm/-44 Mikrogramm Injektionslösung mit dem Wirkstoff Interferon beta von Merck Serono.
Zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose.
Weitere Informationen für den Arzt: hier

  • b-Interferone: Dämpfung des Immunsystems durch Synthesehemmung der proinflammatorischen Cytokine Interferon-g und Tumornekrosefaktor- a. Verstärkung der Suppressoraktivität peripherer Lymphozyten. Induktion der Synthese  von Interleukin-10, welches  an der Verlangsamung des autoimmunen Prozesses  bei MS beteiligt ist. Inhibition der T-Zellenproliferation. Avonex® (Interferon beta-1a) 30 mg 1 x pro Woche i.m.; Rebif® (Interferon beta-1a) 22-44 mg  3 x pro Woche s.c.; Betaferon® (Interferon beta-1b) 0,25 mg  jeden 2. Tag s.c.
  • Glatirameracetat: synthetisches Peptid  aus 4 Aminosäuren. Dämpfung des Immunsystems durch Hemmung der proinflammatorischen T-Zelllinie, die an der Auslösung einer autoimmunen Enzephalitis beteiligt ist. Copaxone® (Glatirameracetat) 20 mg tgl. s.c.
  • Azathioprin: breites und langjähriges Anwendungswissen vorhanden. Imurek® (Azathioprin) initial 25-50 mg tgl., steigernd auf 2-3 mg/kgKG p.o.
  • Intravenöse Immunglobuline: Immunregulatorischer Wirkmechanismus angenommen. Beriglobin® (Immunglobulin G) 1 x pro Monat 0,15 (-2 g)/kgKG oder initial 0,4 g/kgKG an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, Booster alle 2 Monate.
Eskalationstherapie:
  • Mitoxantron: als Zytostatikum etabliert. Wirkung über Interaktion mit der Topoisomerase-2 und Interkalation in die DNA. Immunsuppression durch Wirkung auf proliferierende Zellen. Ralenova® (Mitoxantron) 5-12 mg/m2 Körperoberfläche pro Infusion im Abstand von 3 Monaten, kumulative Höchstdosis  140 mg/m2.
  • Cyclophosphamid: immunsupprimierende Wirkung durch zytotoxische Effekte auf sich rasch teilende Zellen. Endoxan® (Cyclophosphamid) 600 mg/m2 in Abständen von 4-6 Wochen.
  • Methotrexat: Folsäureantagonist. Immunsuppressierende Wirkung durch Hemmung der Teilung rasch proliferierender Zellen. Lantarel® (Methotrexat) 1 x 7,5 mg p.o. pro Woche.
  • Anti-a4-Integrin-Antikörper: Verhinderung der Passage der aktivierten Leukozyten durch die Blut-Hirn-Schranke des ZNS. Im ZNS Verhinderung der Wanderung der aktivierten Leukozyten , Schutz vor entzündlicher Aktivität. Tysabri® 300 mg (Natalizumab) alle 4 Wochen eine Infusion  von 300 mg innerhalb einer Stunde.
Symptomatische Therapie:
Bei Störungen der Motorik, Spastik, Muskelschwäche, Ataxie, Tremor
  • Physiotherapie
  • Dekubitusprophylaxe

Antispastische Therapie: zum Erhalt der Beweglichkeit und Verhinderung von Sehnenverkürzungen. Lioresal® (Baclofen) initial 2 x 5 mg, maximal 4 x 25 mg tgl., Dantamacrin® (Dantrolen) initial 2 x 25 mg, maximal 4 x 50 mg tgl., Sirdalud® (Tizanidin) initial 3 x 2 mg, maximal 24 mg tgl., Valium® (Diazepam) initial 2 x 2 mg, maximal 3 x 20 mg tgl., Axura® (Memantine) initial 1 x 10 mg, maximal  3 x 20 mg tgl.

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