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Top-Arzneimittel / Sepsis

Sepsis

Neue Daten zeigen, dass Prävalenz und Sterblichkeit  der schweren Sepsis und des septischen Schocks in Deutschland nach wie vor inakzeptabel hoch sind. Innovative Therapieansätze, die dies ändern könnten, setzen sich im intensivmedizinischen Alltag nur mühsam durch. Am 1.12.2004 präsentierten diesen nüchternen Befund Prof. Rolf Rossaint, Aachen und Prof. Herwig Gerlach, Berlin im Rahmen des 7. Deutschen interdisziplinären Kongresses für Intensivmedizin und Notfallmedizin in Hamburg.

In Deutschland liegt die Sterblichkeit bei schwerer Sepsis und septischem Schock auf Intensivstationen bei 54 %, wie dies eine durchgeführte Prävalenzstudie des Kompetenznetzes Sepsis zeigt. Die Inzidenz der Sepsis liegt wesentlich höher als Erkrankungen wie Mamma- und Kolonkarzinom oder AIDS, spielt aber in der öffentlichen Diskussion immer noch eine untergeordnete Rolle. Schätzungen gehen von 125.000 bis 300.000 Fällen im Jahr in Deutschland aus.
In den vergangenen Jahren sind vielversprechende neue Therapieansätze entwickelt worden. Neben der Early Goal Directed Therapy, der Gabe von niedrig dosiertem Hydrocortisonen oder der intensivierten Insulintherapie ist vor allem die Entwicklung von Drotrecogin alfa zu nennen, das seit 2002 in Deutschland zur Therapie erwachsener Patienten mit schwerer Sepsis und multiplem Organversagen zusätzlich zur Standardtherapie zugelassen ist. Das aktivierte Protein C konnte in der doppelblinden Placebo-kontrollierten PROWESS-Studie die Sterblichkeit der Patienten um absolut 6,1 % senken. Demnach müssen 16 Patienten mit dem Präparat behandelt werden, um ein Leben zu retten. Bei anderen weit verbreiteten Therapien aus dem Bereich des Myokardinfarkts liegt zum Beispiel diese Number needed to treat bei bis zu 100.
 
Im Zuge der PepNet-Prävalenzstudie wurden auch die Therapiegewohnheiten bei Sepsis erhoben. Von den befragten 484 Ärzten, die auf den Intensivstationen Entscheidungen treffen, gaben 85 % an, Drotrecogin nie einzusetzen, 11 % verwenden das Präparat nur selten. Im Jahr 2004 wurde bis Ende August das Präparat nur 400 Mal gegeben. In anderen europäischen Ländern ist die Situation wesentlich besser.
Experten fordern daher, dass sich auch Intensivmediziner mehr den Forderungen der Evidenzbasierten Medizin stellen müssen. Doch häufig wird die Evidenz basierte Medizin immer noch als Störfaktor für die Autonomie ärztlichen Handelns betrachtet. In der Intensivmedizin geht es um Leben und Tod und wenn es wissenschaftlich basierte Erkenntnisse  gibt, die den Vorteil einer bestimmten Behandlungsmethode untermauern, hat niemand das Recht dieses zu verweigern.
Ein wichtiger Ansatz, diese Situation zu verbessern, sind Leitlinien, wie die kürzlich veröffentlichten streng evidenzbasierten Guidelines zur Therapie der schweren Sepsis und des septischen Schocks der Surviving Campagne. In diesen wird zum Beispiel der Einsatz von Aktiviertem Protein C bei Patienten mit hohem Sterblichkeitsrisiko und ohne Kontraindikationen eindeutig empfohlen. Die Publikation der Leitlinien ist erst der erste Schritt. Die Surviving Sepsis Campagne, ein Zusammenschluss von elf internationalen Fachgesellschaften hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Leitlinien auch auf den Intensivstationen zu implementieren, um das Ziel zu erreichen, die Sterblichkeitsrate der Sepsis um relativ 25 % zu senken.
Als Vorbild dienen ähnliche Projekte aus den USA. Grundlage sind sogenannte Bündelungen von Maßnahmen, also eine Zusammenstellung von evidenzbasierten Therapieoptionen, die ohne Ausnahme angewendet werden müssen, um eine richtige Behandlung zu garantieren.

Medikamentöse Therapieempfehlung


Wir empfehlen:
Mittel der 1. Wahl

Xigris 5 mg/-20 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung von Lilly
Zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schwerer Sepsis, mit multiplem Organversagen, zusätzlich zur Standardtherapie. 1 Durchstechflasche 5 mg – Preis auf Anfrage beim Hersteller. Behandlungsstart innerhab von 24 Stunden nach Beginn der ersten sepsisbedingten Organdysfunktion durch Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung von Patientn mit schwerer Sepsis.
Weitere Informationen für den Arzt: hier


 

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