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Magazine / Medizin + Kunst / Rainer Stolz

Rainer Stolz

Ausstellung in der Gallerie der Bayerischen Landesbank München

Er gehört zu denjenigen, die sich dem Regime der DDR widersetzten, den Wehrdienst verweigerten und letztlich die Ausreise in die Bundesrepublik erzwangen.
Trotzdem wurde seine künstlerische Laufbahn von der Thüringer Herkunft geprägt. Einer Töpfer- und Steinmetzlehre folgten malerisches und zeichnerisches Schaffen an der Schule „Burg Giebichenstein“ in Halle sowie das Studium der Anatomie und der Pathologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

O.T., Öl auf Pappe, 52 x 37 cm, 2004

1985 – als 34-Jähriger – gelang Rainer Stoltz die Ausreise in die BRD und in den darauffolgenden Jahren die systematische Anerkennung seiner Arbeiten in der bildenden Kunst.
Heute lebt der Maler und Bildhauer im Wechsel zwischen dem exotischen Klima mit der karibischen Lebenslust von Havanna und den rauen Witterungsverhältnissen in Weyberhöfe bei Aschaffenburg, wo er ein Atelier unterhält.

Die Schöne und der Tod, Bronze H 175 x B 100 x T 20 cm, 1992

In der Kunst gelten für Rainer Stoltz keine Einengungen – er fühlt sich allein seinen kreativen Möglichkeiten verpflichtet. Dabei steht der menschliche Körper als Ausdruck des Menschseins im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses. Hier schreckt Stoltz nicht vor Verfremdungen, Verformungen und Reduzierungen auf das Wesentliche zurück, entblößt die Dargestellten ohne Ängste vor Verfall, der Alterung, der Vergänglichkeit und dem Tod. Auch Begierde und Erotik spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle in seinen Werken als lebensbejahende Elemente.
Die Ausstellungskuratorin Nina Felicitas Matt schreibt: „Rainer Stoltz scheint einer stilistischen Geradlinigkeit zu trotzen. Eine lineare formale Entwicklung lässt sich in seinem Oeuvre nicht nachvollziehen. Sanfte Formen und Farben sind selten zu finden. Raue Oberflächen und eine unruhig-fahrige Pinselführung entsprechen der schonungslosen Darstellung tabulos gezeigter Themenbereiche. Seine Gebilde“ führt Nina Felicitas Matt weiter aus „wirken kraftvoll und lebendig. Sie erscheinen nie als gebrochene Gestalten, sind eng mit seinem Leben verbunden und lassen sich in einigen Zeichnungen und Bronzen auch als zufällige selbstportraithafte Ansätze erkennen“.
Wir sehen in Rainer Stoltz' Skulpturen und Bildern ein instinktives Verlangen nach Kontakt, nach Berührung, nach Wärme und unmittelbarer Körpererfahrung. Er entfaltet dabei eine beinahe orgiastische Körperlichkeit, die uns stark an Walter Dahn, Jiri Georg Dokoupil oder Ina Barfuss erinnert und ihn damit zu einem wichtigen Vertreter der zeitgenössischen Kunst macht.

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