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Psychiatrische Universitätsklinik München

Dir.: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Möller

Historische Aufnahme der Klinik um 1904

Während noch vor dreißig Jahren Psychiatrische Kliniken Verwahranstalten glichen, die man schon aus Berührungsängsten heraus zu besuchen vermied, ist heute die Psychiatrische Universitätsklinik München nicht nur eine Institution von Rang in der Medizin, sondern häufig auch geistiger Mittelpunkt von Kunst und Kultur.

Haupteingang

Dieses neugeschaffene Szenarium einer offenen Psychiatrie mit geschlossenen Bereichen, die der Besucher kaum wahrnimmt, ist sicherlich ein Verdienst des Direktors und Ordinarius Hans-Jürgen Möller, der es darüber hinaus verstand, Kunst, Kultur und Musik in das Haus zu integrieren so – wie sie gleichzeitig in dieser Fülle und der dargebotenen Qualität in keiner Münchner Klinik zu finden sind. Möller selbst sammelt zeitgenössische Kunst, liebt dabei Schwieriges, wie es die Berliner Malerin Sati Zech zu installieren versteht, ist der Musik als Solist sehr nahe und über seine Ehefrau, einer habilitierten Sozialwissenschaftlerin, die als Sopranistin zu glänzen versteht, ein fundierter Interpret klassischer Musik.

Eingangsbereich mit historischen Treppenhaus Eingangsbereich

Lesungen, Soirées und Vernissagen runden die Fülle des kulturellen Angebots an der Nussbaumstrasse ab.
Diese vielschichtige Palette macht die Klinik zu einem Hort des Intellekts, auch wenn die Patienten häufig gerade wegen geistig-psychischer Defizite hier behandelt werden.
Das Bauwerk selbst in seiner klassizistischen Schönheit gehört zu den prächtigen Profanbauten, die um die Jahrhundertwende entstanden und vor einigen Jahren einer durchgreifenden Renovation unter strengen denkmalschützerischen Gesichtspunkten unterzogen wurden, mit gleichzeitig errichteten modernen erweiternden Gebäuden, die zeitgenössische Architektur mit der Dominanz der historischen Substanz eindrucksvoll verbinden.

Neubaubereich mit Caféteria Neubaubereich Innen

Die Medizin und hier die Psychiatrie wird von Hans-Jürgen Möller als Ordinarius auf höchstem wissenschaftlichen Niveau betrieben, und die Klinik gehört zu den führenden Einrichtungen in der Nervenheilkunde weltweit. Hier setzt Möller die Tradition seines Vorgängers Hanns Hippius fort, der die Qualität der Institution als fundierte wissenschaftliche Einrichtung wieder etablierte und mit dem Umbau des renommierten Gebäudes begann, an dem bereits Emil Kraepelin und Alois Alzheimer tätig waren.
1904 übergab der Münchner Architekt Max Littmann das im Stil des Historismus erbaute Klinikgebäude Emil Kraepelin – als soziale Einrichtung für geistig Kranke. Kraepelin gilt heute als einer der Begründer der modernen Psychiatrie. Max Littmann, auch Baumeister des Münchner Prinzregententheaters, schuf ein dominantes Haus, das Würde ausstrahlt – als architektonische Bereicherung des baulich homogenen Klinikums Innenstadt, in dem sich denkmalgeschützte Monumentalbauten wie Perlen zu einem Ensemble reihen, leider partiell unterbrochen von Profanbauten der Neuzeit, deren Planer im Ergebnis gesichtslose Langeweile produzierten.
Ganz anders hier die Psychiatrie – sie gewann kompetente Architekten, die mit sicherer Hand für das Wesentliche einen postmodernen Komplex entwarfen, dem beherrschenden Altbau untergeordnet, als ein filigraner großer Pavillon, in dem die komplette stationäre Versorgung des Hauses untergebracht ist.

Bibliothek

Dem gegenüber konzentrieren sich auf den Altbau die Forschungslaboratorien, die Ambulanzen sowie die Einrichtungen zur Studentenausbildung, der Hörsaal, das ärztliche Direktorium und die Verwaltung. Die Münchner Klinik gehört auf dem Gebiet der modernen Psychiatrie in Wissenschaft und Forschung zu den führenden Institutionen, verfügt über die neuesten Einrichtungen in den bildgebenden technischen Bereichen, den Laboratorien und in der Lehre, bietet den Patienten eine beispielhafte stationäre Versorgung, in deren Mittelpunkt die zeitgemäße Behandlung der psychisch Kranken steht.
Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Universitätsklinik wurden im letzten Jahr eindrucksvoll vor sehr viel wissenschaftlichem Publikum zelebriert, und das Buchwerk „Die Psychiatrische Klinik der Universität München 1904-2004“, erschienen im Springer Verlag, und herausgegeben von Hippius, Möller, Müller und Neundörfer, beschreibt dokumentarisch die Geschichte des Hauses auch in der schwierigen Nazizeit, die speziell Nervenärzte zu instrumentalisieren verstand - die Münchner Klinik spielte hier eine untergeordnete Rolle, auch wenn sie sich dem politischen Zeitgeschehen nicht öffentlich widersetzte.
Insgesamt gesehen zeigt das Buch fundiert die Entwicklung eines Hauses, das sich zu einer modernen Psychiatrischen Universitätsklinik wandelte, in der Arzt und Patient die wichtigste Rolle spielen.

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