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HPV - Infektionen mit humanen Papillomviren

Zur Hausens, Nobelpreisträger für Medizin 2008, besonderes Interesse galt der Rolle von Viren bei der Entstehung von Tumoren. Ab den 70er Jahren konzentrierte er sich auf die humanen Papillomviren (HPV), die als Erreger von Hautwarzen bekannt sind. 1976 publizierte er die Hypothese, dass diese Viren eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen. Anfang der 80er Jahre gelang es zur Hausen, aus Tumormaterial, die bis dahin unbekannten Virustypen HPV 16 und HPV 18 zu isolieren. Diese gelten heute als die wichtigsten Hochrisikotypen bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs.
Jährlich steigt weltweit die Inzidenz des Zervixkarzinoms an. Zunächst wurde von Experten ein frühzeitiges Screening gefordert, da Zellveränderungen bereits schon weit vor Ausbruch der Krankheit zu erkennen sind. Mit Hilfe der HPV-Zytodiagnostik konnte der Nachweis der High-Risk-Typen erbracht werden:

  • Nachweis von HPV-Infektionen unter Erhalt der Morphologie
  • Sensitives und spezifisches Screening der High-Risk-Typen
  • Einfache, schnelle und sichere Ergebnisse innerhalb eines Tages.

Dies war bereits ein entscheidender Fortschritt, denn Patientinnen mit einer Zervixschleimhautinfektion durch Hoch-Risiko-Typen des Humanen Papillom-Virus haben ein 100-fach erhöhtes Risiko an schweren Dysplasien oder einem Zervixkarzinom zu erkranken als nicht-infizierte Frauen. Frühzeitige Therapiemaßnahmen konnten so eingeleitet werden. Dank der Entdeckung der High-Risk-Papillomviren durch zur Hausen konnte weltweit an Konzepten zur Impfung gegen Papillomviren geforscht werden. Zur Hausen berichtet, dass er und sein Team Jahrzehnte dafür gearbeitet haben. Eine langfristige klinische Vortestung des Impfstoffs war nötig. Dabei hat sich herausgestellt, dass es bei diesen Viren relativ gut möglich ist, vorbeugend zu impfen. Als erster Impfstoff wurde Gardasil im Oktober 2006 in Deutschland und einer Reihe von anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA, in Mexiko, in Australien zugelassen. Die Impfung ist ein Durchbruch für die Krebsvorbeugung, denn neben dem Hepatitis B-Impfstoff ist er der einzige Impfstoff, der gegen spezifische Krebserkrankungen gezielt entwickelt wurde und zur Verfügung steht. Professor zur Hausen berichtet in einem Interview, dass er vor 36 Jahren begonnen hat über Papillomviren zu arbeiten. Die Frage war zunächst, ob Papillomviren etwas mit der Entstehung des Zervixkarzinoms zu tun haben. 1983 und 1984 wurden dann die entsprechenden Typen isoliert und charakterisiert. Dies sind genau die, die auch in den Impfstoffen vorhanden sind und die die Hauptursache für die Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs darstellen. Es stellte sich als ein schwieriges Problem heraus und kostete zehn Jahre Forschungsarbeit, weil diese Virustypen nicht in den üblichen Gewebekulturen wachsen. An einem Zervixkarzinom erkranken in Deutschland jährlich mehr als 6.000 Frauen, 2.000 sterben an diesem Krebs. Dazu kommen noch viele Patientinnen, die wegen Vorstufen des Zervixkarzinoms behandelt werden. Diese erfordern Eingriffe, wenn eine hochgradige Dysplasie, eine veränderte Gewebestruktur festgestellt wird. Schätzungsweise sind in Deutschland insgesamt 100.000 Frauen von hochgradigen Dysplasien, Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen pro Jahr betroffen und müssen operativ behandelt werden. Mit der Impfung gibt es also für 100.000 Frauen, die pro Jahr in Deutschland erkranken Hoffnung!

Verschiedene Krankheitsbilder, die durch HPV verursacht werden:

  • Condylomata acuminata
    Feigwarzen, Viruswarzen der Schleimhaut und Buschke-Löwnstein-Tumor
    Erreger: HPV-Typ 6 und 11, (“low-risk“)
  • Condylomata plana
    Je nach Lokalisation als CIN, VIN, VAIN, AIN und PIN bezeichnet.
    Erreger: HPV Typ 6 und 11 („low risk“) sowie 16, 18 und 31 („high risk“)
  • Cervicale intraepitheliale Neoplasie (CIN)
    Kann zu Zervixkarzinom führen
    Erreger: HPV Typ 16, 18 und 31 („high risk“)
  • Bowenoide Papulose
    Meistens bei Männern als Penile intraepitheliale Neoplasie (PIN, Viruswarzen des Penis), kann zu Erythroplasie und Peniskarzinom führen.
    Erreger: HPV fast ausschließlich Typ 16 („high risk“)
  • Vulväre intraepitheliale Neoplasie
    VIN Viruswarzen der Vulva
    Erreger: HPV Typ 16, 18 und 31 („high risk“)
  • Vaginale intraepitheliale Neoplasie
    VAIN Viruswarzen der Scheidenschleimhaut
    Erreger: HPV Typ 16, 18 und 31 („high risk“)
  • Anale intraepitheliale Neoplasie
    AIN Viruswarzen des Anus
    Erreger: HPV Typ 16, 18 und 31 („high risk“)
  • Morbus Heck
    Viruswarzen der Mundschleimhaut
    Erreger: HPV Typ 13 und 32 („low risk“)

Therapie:

Durch eine Impfung können 70-80 % dem Schicksal Zervixkarzinom und der Operation entgehen. Die Hauptverursacher des Zervixkarzinoms sind die Papillomviren vom Typ 16 und 18. Wie hoch der Prozentsatz des Schutzes genau ist, hängt davon ab, inwieweit beim Schutz eine Kreuzreaktion mit anderen Typen von Viren möglich ist. Es liegen Daten vor, dass mit der Impfung zum Beispiel auch vor den Hochrisikotypen 31 und 45 geschützt werden kann. Wird die Impfung bei Personen durchgeführt, die nicht infiziert sind – und dies ist das angestrebte Ziel -, dann besteht ein nahezu 100 %-iger Schutz. Es sollte daher vor dem Einsetzen der ersten sexuellen Aktivität geimpft werden. Die medizinische Empfehlung lautet, Mädchen im Alter zwischen 9 und 15 Jahren zu impfen. Zur Hausen findet, dass leider in solchen Empfehlungen die Jungen ausgenommen werden. Er meint, dass Jungen ebenfalls geimpft werden sollten, da die Übertragung der Viren im wesentlichen durch den Sexualkontakt zustande kommt. Bis zu 70% aller Frauen weisen eine Infektion mit HPV auf. Die meisten Frauen sind durch ihr Immunsystem in der Lage, die Viren zu eliminieren. Doch bei 10 % der Frauen kann zwei Jahre nach der Erstinfektion das Virus noch immer nachgewiesen werden. Sie haben ein großes Risiko, an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Bei ihnen erkennt das Immunsystem die Viren und die sich daraus entwickelnden Krebszellen nicht. Die Impfung kann also genau diejenigen schützen, die sich selbst nicht schützen können, wenn sie vor einer Erstinfektion erfolgt. Papillomviren können den gesamten Genitalbereich befallen. Es können also auch Scheidenkrebs, Analkrebs und in seltenen Fällen Peniskrebs entstehen. Zudem wird Mundhöhlenkrebs zu einem Viertel ebenfalls durch diese Viren verursacht. Auch hier schützt die Impfung.
Der Impfstoff Gardasil ® wendet sich gegen die HPV-Typen 6, 11. 16 und 18, die insgesamt etwa 70 % aller Zervixkarzinome auslösen. HPV 6 und 11 verursachen über 90 % von Genitalwarzen. Gardasil ® ist ein Impfstoff zur Prävention von hochgradigen Dysplasien des Gebärmutterhalses, Gebärmutterhalskrebses, hochgradigen dysplastischen Läsionen der Vulva sowie von äußeren Genitalwarzen, die durch die Typen 6, 11. 16 und 18 des humanen Papillomvirus verursacht werden. Die Indikation beruht auf dem Nachweis der Wirksamkeit von Gardasil ® bei erwachsenen Frauen von 16 bis 26 Jahren und dem Nachweis der Immunogenität von Gardasil ® bei Kindern und Jugendlichen von 9 bis 15 Jahren. Gardasil ® weist in seiner Struktur virusähnliche Partikel von HPV auf, die nicht infektiös sind, sie verursachen jedoch eine Immunreaktion des Körpers. Die Wirkung von Gardasil ® wurde in placebokontrollierten, randomisierten Studien nachgewiesen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Einzeldosen zu je 0,5 ml, die nach folgendem Schema verabreicht werden: 0, nach 2 und 6 Monaten. Alle drei Dosierungen sind innerhalb von 12 Monaten intramuskulär zu verabreichen. Auch von der STIKO wird die Impfung empfohlen. Gebärmutterhalskrebs ist in Deutschland nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache bei jungen Frauen. Er wird häufig durch HPV verursacht. Daher ist der Impfstoff Gardasil ® gegen HPV ein wichtiger Schritt bei den Vorsorgemaßnahmen gegen Gebärmutterhalskrebs.

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