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Finanzgericht Niedersachsen spricht Chefarzt die Möglichkeit zu, seine Motorjacht von der Steuer abzusetzen !

Das Finanzgericht Niedersachsen hat in einer spektakulären Entscheidung einem Chefarzt einer Inselklinik gestattet, die Kosten seiner schnellen Motorjacht von der Steuer abzusetzen

Arzt muß schnell zu seinen Patienten gelangen
Der Chefarzt gab an, daß er nur mit einer schnellen Motorjacht in einer angemessenen Zeit zu seinen Patienten auf dem Festland gelangen kann. Dieses Argument sah das Finanzgericht als gewichtiger, als die übliche Auslegung des Einkommensteuergesetzes, wonach Aufwendungen für Segel- oder Motorjachten den Gewinn von Privatpersonen nicht mindern dürfen.
 

Zugrundeliegender Fall 
Der Entscheidung lag im wesentlichen folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kläger (Kl.) hatte sich als ärztlicher Direktor einer Allergie- und Hautklinik auf einer ostfriesischen Insel ein Motorboot im Wert von 160.000,-- DM gekauft. Neben seiner Tätigkeit im Krankenhaus betrieb er auch eine private Praxis auf dem niedersächsischen Festland. Zuvor war er auf eine öffentliche Fähre angewiesen. Mit dem neuen Motorboot konnte er auch außerhalb der Fährzeiten und bei Dunkelheit übersetzen, daneben verkürzte sich die Fahrt erheblich. 

Der Kl. erklärte, daß er nur so die Patienten und den Notdienst optimal betreuen könnte, weil ansonsten nicht gewährleistet sei, daß er rechtzeitig zum Patienten käme.  
Das zuständige Finanzamt (Bekl.) lehnte eine steuerliche Berücksichtigung ab.
 

Urteilsbegründung 
Das Finanzgericht gab dem Begehren des Kl. statt und begründete dies wie folgt. Steuerpflichtige hätten die freie Wahl des Beförderungsmittels zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sowie zwischen Betriebsstätten. Die hierfür anfallenden Kosten seien steuerlich berücksichtigungsfähig. Da der Chefarzt eine betriebliche Nutzung glaubhaft machen konnte, kann er die Motorjacht absetzen.

Die insoweit geltend gemachten Kosten von 25.000,-- DM pro Jahr seien angesichts dagegenstehender Einnahmen aus privatärztlicher Tätigkeit in Höhe von ca. 1,4 MioDM auch nicht unangemessen.

Fazit
Das Finanzgericht stellte klar, daß Besonderheiten bei der Berufsausübung auch steuerlich berücksichtigt werden müssen und besondere Beachtung finden. Insoweit ist diese Entscheidung richtungsweisend, daneben wird aber auch die freie Wahl der Verkehrsmittel hervorgehoben. Im vorliegenden Fall wäre sicherlich auch die Anschaffung eines Flugzeuges zu erwägen gewesen und hätte im Sinne dieser Entscheidung zu einer steuerlichen Berücksichtigung führen müssen. Rechtlich sicherlich eine mutige, weil gegen die übliche Auslegung gefällte Entscheidung, die meiner Ansicht nach gesetzeskonforme und damit richtige.

Der Besprechung lag folgendes Urteil zugrunde: Finanzgericht Niedersachsen Az.: II 666/98.
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