medicinebook.de

medicinebook - Medizinbuch - das Healthcareportal
Magazine / Medizin + Kunst / Yongbo Zhao

Yongbo Zhao

Die großen alten Meister bilden die Richtschnur für Yongbo Zhao's Arbeiten; sich mit ihnen zu messen, hält er für legitim und ihnen Paroli zu bieten, für angemessen.
Während die meisten Kunstschaffenden heute nicht mehr in der Lage sind, dieser qualitativen Herausforderung mit malerischen Mitteln zu begegnen, hat er die Faszination weltberühmter Gemälde in sich aufgesogen und sie handwerklich gekonnt in seine großformatigen Bilder aufgenommen, um ihnen eine neue Deutung zu geben. Dabei ist Yongbo Zhao völlig respektlos und lässt den Betrachter häufig amüsiert zurück.

Standby, Öl auf Leinwand, 100 x 240 cm, 2001


Wer ist denn heute noch fähig, den Raub der Sabinerinnen von Peter Paul Rubens so zu entfremden, indem er die Schöne von geilen Hammeln entführen lässt, ohne dabei den qualitativ meisterlichen Anspruch der Malerei Rubens' zu vernachlässigen?
In der Mandschurei, wo Yongbo Zhao 1964 geboren wurde, erschöpfte sich für ihn die Malerei in Überdimensionalen Mauer- und Landschaftsbildern. Zhao's Wechsel 1991 nach München konfrontierte ihn einerseits mit alten Meistern in den Museen, andererseits mit den unterschiedlichsten Spielarten und Stilrichtungen der zeitgenössischen Kunst.

Braut, ihr Brautkleid strickend, Öl auf Leinwand, 160 x180 cm, 1995 Raub der Sabinerinnen, Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm, 2000 Revolutionäre Familie – Porträts, II:Bruder, Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm, 1996

Yongbo Zhao fand einen Weg dazwischen. In altmeisterlicher Manier konzipiert er seine Bildwelten, sucht jedoch den Bruch in der Aussage. Zwar bleibt er als Realist der Tradition verhaftet, doch in der Umsetzung ist ihm nichts heilig. Hier sucht und findet er schockierende Elemente, gespickt nit Gewalt, Erotik und zynischen Aussagen.
Zhao’s großformatige Figurenbilder besitzen eine sprachliche Gewalt, die zunächst erschrecken mag. Trotzdem verlegt er die Entscheidung darüber, ob Bilder gut oder böse sind, in die Selbstverantwortung des Betrachters.
Für uns sind seine Gemälde nicht anstößig, auch wenn sie auf den ersten Blick so wirken mögen, sondern in gewisser Weise lustvoll -  jedoch nicht anlockend, sondern herausfordernd. Ihre Deklamation ist die Agitation des Revolutionärs gegen die Inhalte, die durch die Tradition eine Vergötterung erfuhren.

Der Gärtner, Öl auf Leinwand, 150 x 180cm, 2001 Glückliche Revolutionäre Familie, I – Schaukel, Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm, 1996

Indem Yongbo Zhao die Malerei mit deformierten, verzerrten, fragmentierten und grimassierenden Gestalten bevölkert, erhält sie für ihn die psychische Konkretheit zurück.
Im zeitgenössischen Kontext ist das vorliegende Oeuvre Yongbo Zhaos bei der Neo-Konzeptkunst anzusiedeln, die seit den achtziger Jahren – vorzugsweise von New York aus – für viel Furore sorgte, weil sie sich an Jahrhunderte zurückliegenden künstlerischen Epochen orientiert, jedoch im Inhalt auf Distanz geht, um auf diesem Wege neue, noch nie da gewesene Aussagen zu schaffen, die dem Kunstbetrieb wichtige Impulse geben. Jeff Koons gehört zu den bedeutendsten Vertretern dieser Stilrichtung, Yongbo Zhao ist aufgrund seiner qualitativ hohen malerischen Ansprüche ein außergewöhnlicher neuer Protagonist - hin zum künstlerischen Ruhm.

Drucken Drucken | PDF PDF