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Magazine / Medizin + Kunst / Wolfgang Ellenrieder

Wolfgang Ellenrieder

Das Auge wurde für ihn zum Maßstab seines künstlerischen Schaffens, und mit dem Sehorgan als Blickfang glaubt Wolfgang Elienrieder, seine kreativen Vorstellungen am besten veräußerlichen zu können.

Horney, Pigment und Bindemittel auf Nessel, 180 x 240 cm, 2000

Unsere Wahrnehmung ist darauf getrimmt, ausgewählte Punkte zu fixieren, sie im Blickfeld festzuhalten, um – darauf aufbauend - zu erkennen, was sich vor unserem Auge abspielt. Die dargebotenen optischen Reize sind allerdings vielfältig und wirken ständig auf uns ein, so dass bei dieser Form der überflutenden Information unsere Wahrnehmung sehr stark leidet.

P-Bulk, Pigment und Bindemittel auf Nessel, 180 x 240 cm, 2000

Deshalb glaubt Wolfgang Ellenrieder, dass die Kunst in der Malerei ein ideales Medium gefunden hat, das Augenfutter und Denkanstöße zugleich bietet, und der Künstler behauptet, ohne andere Medien deswegen abzuwerten, dass malerische Oberflächen zwar nur stille Sensationen verkörpern, sie jedoch unser Sehorgan umfassend herausfordern.

Re-Tination, Pigment und Bindemittel auf Nessel, 180 x 240 cm, 2000

Für Ellenrieder ist die Gefahr des Scheiterns ein zentrales Thema. Seine Malerei im Spiel mit Farben und Formen erfindet Aussagen, die ihm einerseits bekannt vorkommen, andererseits trotzdem fremd bleiben. Der Spieltrieb lebt in Ellenrieders Malerei und bildet damit einen elementaren Teil seiner kreativen Existenz.
Der Blick des Betrachters aktiviert sich im herausfordernden Blick des Dargebotenen, das Schauen kann dabei immer auch ein Angeschautwerden sein. Aus schwärzlich-blauen Pupillen glotzend, treiben die Augäpfel scheinbar träge im wässrig -schlüpfrigen Bildgrund und praktizieren ein losgelöstes inwendiges wie auswendiges Sehen. Wir erkennen allerdings nur den Blick des Auges, das uns starr fixiert. Der kugelige Augapfel hat sich ganz offensichtlich aus der schützenden Augenhöhle geschält und vom restlichen Körper getrennt, bildet damit ein eigenständiges Organ, das uns bildlich herauszufordern imstande ist.

Schusser, Pigment und Bindemittel auf Nessel, 160 x 240 cm, 2000

Wolfgang Ellenrieder wurde 1959 in München geboren, studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste; darauf aufbauend lebt und arbeitet er noch heute in der bayerischen Landeshauptstadt, die seinen kreativen Lebensmittelpunkt bildet.
Versucht man Ellenrieders Schaffen in den Kontext der zeitgenössischen Kunst des 21. Jahrhunderts einzuordnen oder zu bewerten, dann fällt dies nicht leicht. Als Maler fühlt er sich einerseits der Rea1ität verpflichtet, andererseits sind seine Bildaussagen vielschichtig und sehr schwer intellektuell auf den Punkt zu bringen.
Darauf basierend, ist er als Autonomer zu sehen, dessen Werk eine ungeheure Faszination ausstrahlt.

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