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Top-Arzneimittel / Herzinfarkt

Herzinfarkt

Der Herzinfarkt, Myokardinfarkt, ist eine akute und lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens. Es handelt sich um einen Infarkt von Teilen des Myokard auf Grund einer Ischämie. Leitsymptom des Herzinfarktes ist ein plötzlich auftretender, anhaltender und meist starker lebensbedrohlicher Schmerz im Brustbereich, der in die Schultern, Arme, Unterkiefer und Oberbauch ausstrahlen kann. Begleitet wird Er oft von Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen. Bei etwa 25 % aller Herzinfarkte handelt es sich um so genannte stumme Infarkte, bei denen nur geringe oder keine Beschwerden auftreten. Herzinfarkte kommen in den Industrieländern immer häufiger vor. In Deutschland erleiden jährlich mehr als 500.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich: In den ersten vier Wochen nach dem Infarkt sterben 40 bis 50 Prozent der Patienten - insgesamt mehr Frauen als Männer.

Erste Hilfe:

  • Unverzügliche Alarmierung des Notarztes, korrekte Beschreibung der Situation mit Verdachtsdiagnose
  • Rettungskräfte einweisen
  • Den Patienten möglichst beruhigen
  • Lagerung des Patienten nach Wunsch des Patienten
  • Möglicherweise Nitrospray
  • Gefahr des Herzstillstandes in der ersten Stunde am größten. Bedarf eines Defibrillators
  • Lysebehandlung oder Herzkatheterbehandlung möglichst in der ersten Stunde nach Infarkt.
Basistherapie:
  • Bettruhe. Meiden körperlicher und psychischer Anstrengungen
  • Vor Aufregung abschirmen.
 
Medikamentöse Therapie:
Die Therapie teilt sich ein in:
  • Akuttherapie: Opioide, Sauerstoff, Glyceroltrinitrat, Acetylsalicylsäure, Heparin, Benzodiazepine, Atropin oder Orciprenalin, b-Blocker, Dopamin oder Dobutamin, Antiarrhythmika
  • Perfusionstherapie: Thrombolytika, GlykoproteinIIb/IIIa-Antagonisten, invasive Therapie
  • Sekundärprophylaxe: Thrombozytenaggregationshemmer, Cumarine, ACE-Hemmer, b-Blocker, Nitrate.
  • Opioide: zentrale Analgesie. Morphin Merck® (Morphin) 2-5 mg i.v. in Abständen von 10 Minuten bis zum Abklingen der Schmerzen, Temgesic®sublingual (Buprenorphin) 1 x 2 mg sublingual.
  • Sauerstoff: O2 über eine Nasensonde oder Maske.
  • Glyceroltrinitrat: gefäßerweiternd auf glatte Muskulatur, Senkung der Vorlast des Herzens, Senkung des Sauerstoffverbrauchs des Herzens. Nitrolingual® (Glyceroltrinitrat) 1-2 x 0,4 mg Spray, 1-2 x 0,8 mg Zerbeißkapseln.
  • Acetylsalicylsäure: zur Verhinderung einer wachsenden Thrombose. Aspirin®i.v. (Acetylsalicylsäure) 250 mg intravenös.
  • Heparin: Hemmung des Gerinnungssystems über Bindung an Gerinnungsfaktoren. Calciparin® (unfraktioniertes Heparin), Clexane®, Fraxiparin® (niedermolekulares Heparin).
  • Benzodiazepine: zentrale Dämpfung bei Unruhe und Angstzuständen. Valium® (Diazepam) 5-10 mg langsam i.v., Dormicum® (Midazolam) 5-10 mg langsam i.v.
  • Atropin oder Orciprenalin: bei symptomatischer Bradykardie oder AV-Block II-III. Atropinsulfat Braun®Inj.Lsg. (Atropin) 0,5-2 mg i.v., Alupent® (Orciprenalin) 0,1-0,5 mg i.v.
  • b-Blocker: bei Tachykardie trotz Schmerzfreiheit und fehlenden Zeichen der Linksherzinsuffizienz. Beloc® (Metoprolol) 5 mg langsam i.v. bis zu 3 x alle 5 Minuten.
  • Dopamin oder Dobutamin: bei kardiogenem Schock. Dopamin ratiopharm® (Dopamin) 3-10 mg/kgKG/Min., Dobutrex® (Dobutamin) 3-10 mg/kgKG/Min.
  • Antiarrhythmika: Herabsetzung der Leitungsgeschwindigkeit entlang der erregbaren Zellen des Herzens. Xylocain® (Lidocain) 100 mg i.v., Gilurytmal® (Ajmalin) 25-50 mg i.v., Cordarex® (Amiodaron) 150-300 mg über 20 Minuten.
  • Thrombolytika: Lyse-Therapie, Umwandlung von Plasminogen in fibrinolytisches Plasmin. Streptase® (Streptokinase) 1,5 Mio I.E.i.v. über 60 Minuten, Actosolv® (Urokinase) 1,5 Mio I.E. als Bolus i.v., danach 1,5 Mio I.E. i.v. über 90 Minuten, Actilyse® (rekombinant tissue Plasminogen Activator) 10 mg als Bolus i.v., danach 60 mg i.v. über 90 Minuten, Eminase® (Anistreplase) 30 mg i.v. über 5 Minuten, Rapilysin® (Reteplase) 10 I.E. als Bolus i.v. über 2 Minuten, nach 30 Minuten wiederholen.
  • Glykoprotein (GP) IIb/IIIa-Antagonisten: blockieren die Bindung von Fibrinogen an die Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptoren und damit die Ausbildung von Fibrinogenbrücken zwischen Thrombozyten. ReoPro® (Abciximab), Aggrastat® (Tirofiban), Integrilin® (Epifibratide).
  • Invasive Therapie: Primäre PTCA (Perkutane Transluminale Koronarangiographie), Akut-PTCA: mechanische Öffnung des Gefäßes durch Ballondilatation, Laser oder Ultrafräsen mit anschließender Stent-Implantation mittels Herzkatheter. Aortokoronarer Bypass: Umgehung eines Totalverschlusses einer oder mehrerer Koronararterien.
  • Thrombozytenaggregationshemmer: zur Primär- und Sekundärprophylaxe von Koronarthrombosen. Aspirin®100 (Acetylsalicylsäure) 1 x 100 mg tgl., Iscover®, Plavix® (Clopidrogel) 1 x 75 mg tgl., Tiklyd® (Ticlopedin) 2 x 250 mg tgl.
  • Cumarin-Derivate: Langzeitbehandlung zur Thromboseprophylaxe nach Herzinfarkt. Marcumar® (Phenprocoumon) individuelle Dosierung nach Thromboplastinzeit.
Weiterbehandlung und Rezidivprophylaxe:
  • Arzneimitteltherapie entsprechend der Therapie der koronaren Herzkrankheit
  • Rehabilitationsmaßnahmen
  • Koronarsportgruppe
  • Möglichst schnelle Wiedereingliederung ins Berufsleben
  • Nikotinkarenz
  • Kontrolle und ausreichende Beeinflussung der Risikofaktoren.
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