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Forschung: DFG empfiehlt strukturierte Weiterbildungsprogramme für „Clinician Scientists“

Veröffentlicht am Dienstag 14 April 2015 11:06:36 von aschilke
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Wissenschaftlichen Nachwuchs in der Medizin motivieren und qualifizieren / Forschungs- und Facharztweiterbildung parallel ermöglichen

Wissenschaftlich tätige Medizinerinnen und Mediziner, sogenannte Clinician Scientists, sind für die klinische Forschung unverzichtbar. Um besonders während der Facharztweiterbildung für die wissenschaftliche Arbeit zu motivieren und zu qualifizieren, hat die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den medizinischen Fakultäten nun ein größeres Angebot an strukturierten Clinician Scientist-Programmen empfohlen. „Wir brauchen für den wissenschaftlichen Nachwuchs attraktive, verlässliche und sichtbare Karrierewege sowie Anreize, die Forschung auch nach einer erfolgreichen Doktorarbeit weiterzuverfolgen“, betonte Professorin Dr. Leena Bruckner-Tuderman, Vorsitzende der Senatskommission und Vizepräsidentin der DFG, bei der Veröffentlichung der Empfehlungen. Die DFG unterstützt solche Programme schon heute im Rahmen ihrer bestehenden Förderinstrumente.

Das den medizinischen Fakultäten empfohlene Modell eines Clinician Scientist-Programms setzt in der zweiten Hälfte der Facharztweiterbildung an; es greift frühere Empfehlungen zu Karrierewegen für forschende Ärztinnen und Ärzte auf und orientiert sich an bewährten Programmen wie dem Friedrich-Luft-Programm der Berliner Charité. Das Programm stellt „geschützte Zeiten“ für die wissenschaftliche Qualifikation und Forschungstätigkeit sicher, die durch die Verdichtung der klinischen Tätigkeit zunehmend notwendig geworden sind, und es versteht sich als ein Modul in einem parallelen wissenschaftlichen und ärztlichen Karriereweg. „Die DFG empfiehlt den medizinischen Fakultäten eine stärkere Strukturierung der Forschungsweiterbildung qualifizierter Ärztinnen und Ärzte. Das Clinician Scientist-Programm soll sicherstellen, dass forschungsinteressierte Medizinerinnen und Mediziner sich sowohl klinisch weiterbilden als auch wissenschaftlich tätig sein können“, so Bruckner-Tuderman. Darüber hinaus adressiert sie, dass klinische Forschung auf allen Karrierestufen möglich sein und anerkannt werden muss: „Nur von Beginn an gut ausgebildete Clinician Scientists können klinische Forschung auf dem erforderlichen hohen Qualitätsniveau nachhaltig gewährleisten.“

Zu diesem Ziel soll das empfohlene Clinician Scientist-Programm klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte zu wissenschaftlichem Arbeiten motivieren und dafür kontinuierlich qualifizieren. Medizinische Fakultäten können etablierte Clinician Scientist-Programme durch bereits bewilligte wie auch durch speziell zu diesem Zweck beantragte Stellen in DFG-Projekten aufstocken. Dafür eignet sich insbesondere das DFG-Modul Rotationsstellen, sogenannte Gerok-Stellen: beispielsweise, um für einen Clinician Scientist eine halbe Stelle für drei Jahre einzuwerben, die eine halbe Stelle in der Patientenversorgung um das wissenschaftliche Moment ergänzt und auch Raum für eigene Forschungsprojekte gibt.

Nach Ansicht der Senatskommission gehören zu einem Clinician Scientist-Programm an einer medizinischen Fakultät unter anderem ein geeignetes Curriculum, ein umfassendes Laufbahnkonzept und ein verbindliches Mentoring. Die Universitätsmedizin trägt darüber hinaus den „klinischen Anteil“ der entsprechenden Stellen, beispielsweise aus Mitteln der Krankenversorgung.

Die Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung sieht die Universitätsmedizin in entscheidender Position für die Qualifizierung forschender Ärztinnen und Ärzte auf allen Karrierestufen. Unterstützend regt die DFG auch eine bundeseinheitliche Anerkennung der im Rahmen von Clinician Scientist-Programmen angebotenen strukturierten Forschungsweiterbildung als Bestandteile der Facharztweiterbildung durch die Landesärztekammern an.

Weitere Informationen

Weitere Informationen auf den Webseiten der Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung unter: www.dfg.de/sgkf


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