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Allgemeinmedizin: Schizophrenie – ANDERS GLEICH

Veröffentlicht am Freitag 30 August 2002 01:50:27 von aschilke
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Unter diesem Motto macht eine Münchenweite Plakataktion „Künstler gegen Stigma“ auf die Diskriminierung und Benachteiligungen aufmerksam, denen Menschen, die an einer Schizophrenie erkrankt sind, immer noch gegenüberstehen. Künstler der Bayer. Akademie der Schönen Künste, darunter Günter Grass, Siegfried Lenz, Martin Walser und viele mehr, unterstützen diese Aktion mit Ihrem Namen, um diese Ungerechtigkeiten abzubauen.

 

Initiator dieser Plakataktion ist die Anti-Stigma-Aktion München an der Psychiatrischen Klinik der LMU unter Leitung von Herrn Professor Dr. Hans-Jürgen Möller. Gemeinsam mit der Bayer. Anti-Stigma-Aktion, Herrn Dr. Werner Kissling, Ltd. Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik der TU, kämpfen beide Aktionen gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung psychisch kranker Menschen.

 

An Schizophrenie Erkrankte erfahren oft gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung:

 

Erkrankt ein Mensch an Schizophrenie, leiden alle: der Betroffene, die Angehörigen – und nicht zuletzt entstehen der Gemeinschaft als solcher auch hohe finanzielle Kosten. Schizophren erkrankte Menschen verlieren häufig ihre Arbeit und auch ihre Partner und Freunde. Das bedeutet: Ihre gesamte persönliche, soziale und ökonomische Existenz wird erschüttert. Schizophrenie zählt damit zu den Krankheiten, welche die Lebensqualität der Betroffenen am stärksten einschränken. Bei einer Reihe von Patienten bleiben trotz erfolgreicher Behandlung einzelne Symptome bestehen, was zu sozialer Isolierung und wachsender Vereinsamung beitragen kann. Etwa 10 bis 15 % der Patienten begehen innerhalb der ersten zehn Jahre nach dem Krankheitsausbruch Suizid. Schizophrenie belastet das Gesundheits- und Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland mit jährlich rund sieben Milliarden Mark. Sie ist damit die teuerste psychische Erkrankung überhaupt.

 

Mythen über Schizophrenie

 

Schizophrenie wird allgemein häufig mit gespaltener Persönlichkeit verwechselt. Diese Verwechslung ist entstanden, weil das Wort Schizophrenie (griechisch) „gespaltener Geist“ bedeutet. Das Krankheitsbild hat damit nichts zu tun. Schizophren erkrankte Menschen leiden unter Symptomen wie Wahnerlebnissen, Halluzinationen oder sie hören Stimmen, die ihnen sagen, was sie tun sollen. Wichtig ist auch zu wissen, dass schizophren Erkrankte keineswegs gewalttätig sind, was einzelne gewalttätige Ausbrüche nicht ausschließt, dies kommt aber auch bei „gesunden“ Personen vor.

 

In verschiedenen Familien herrscht teilweise die Sorge, dass sie für die Krankheit verantwortlich seien. Es gibt nach wie vor keine wissenschaftliche Grundlage, die diese Vermutung bestätigt, dass Schizophrenie durch die Familie verursacht wurde. Jedoch gibt es klare Hinweise, dass die Familie zur Verbesserung der Störung sehr viel beitragen kann.

 

 

 

Eine Krankheit wie Diabetes

 

In Deutschland erkranken rund 800.000 Personen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Schizophrenie, die meisten zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. In München sind ca. 13.000 Menschen betroffen.  Schizophrenie ist eine Krankheit wie Diabetes und wer regelmäßig Medikamente nimmt, verhält sich normal und kann arbeiten, so Professor Möller.

 

1996 wurde das Anti-Stigma-Programm „open the doors“ der World Psychiatric Association von internationalen Experten konzipiert. Zwei Jahre später rief der Weltverband in Kanada das erste Pilotprojekt ins Leben. Mittlerweile beteiligen sich

international Länder wie Ägypten, China, Griechenland, Indien, Italien, Kanada, Österreich, Spanien und USA, Südamerika. National sind an diesem Programm

München, Düsseldorf, Leipzig, Itzehoe, Hamburg und Kiel beteiligt.

 

Ziel des Anti-Stigma-Programms ist es, bestehende Vorurteile abzubauen und das Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber schizophren Erkrankten durch gezielte Interventionen positiv zu beeinflussen.

 

Erkrankt ein Mensch an Schizophrenie leidet er an der Erkrankung und an der Stigmatisierung. Erfährt das soziale Umfeld davon, zieht man sich zurück. Einsamkeit und Isolation sind die Folgen für die Erkrankten. In einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage wurde festgestellt, dass z.B. 83,9 % junger Männer oder Frauen weniger von Leuten halten, die bereits einmal in einer Psychiatrischen Klinik waren oder 85,7 % junger Männer oder Frauen meinen nicht, dass man einem ehemaligen psychiatrischen Patienten wie jedem anderen vertrauen kann. Auch bei der Arbeits- oder Wohnungssuche stoßen psychisch Erkrankte weitgehend auf Ablehnung. Circa 63 % der Arbeitgeber würden eher einen nicht psychisch Erkrankten Arbeitnehmer einstellen bei gleicher Qualifikation. Ablehnung entsteht aus Unwissenheit und Vorurteilen. In einem weiteren Teil der Umfrage wünschen sich 95 % der Bevölkerung mehr Aufklärung und Information über psychische Erkrankungen und 77,3 % möchten mehr Möglichkeiten zur Begegnung mit psychisch erkrankten Menschen.

 

Aufgrund dieser Ergebnisse werden in München verschiedene Informations-Veranstaltungen und Vorträge von der Anti-Stigma-Aktion München ASAM und der Bayerischen Anti-Stigma Aktion BASTA angeboten. Ein Veranstaltungshöhepunkt in 2002 ist eine Kunstausstellung mit Radierungen von Günter Grass am 05.12.2002 um 19.00 Uhr im 1. Stock des Altbaus der Psychiatrischen Klinik der LMU. Auf große Resonanz sind auch die Workshops der BASTA gestoßen, in denen Schüler über psychische Erkrankungen informiert werden und Gelegenheit zur persönlichen Begegnung mit psychisch Kranken bekommen (Einzelheiten unter BASTA, Tel. 089 4140 6674).

 

Möchten Sie mehr über Stigma, Ursachen, Krankheitsbild oder Therapie-Möglichkeiten der Schizophrenie erfahren?

Wenden Sie sich gerne direkt an:

 

 

Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

Klinik und Poliklinik der Psychiatrie und Psychotherapie

Leitung: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Möller

Petra U. Decker MA Psychology

Nußbaumstr. 7

D-80336 München

Tel.: 089/5160-5780

Fax: 089/5160-5875

e-mail: petra.decker@psy.med.uni-muenchen.de

 

Weiterführende Informationen:

http://psywifo.klinikum.uni-uenchen.de/open/

http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/fetz/

www.kompetenznetz-schizophrenie.de

www.openthedoors.de

www.openthedoors.com

www.sane.org

www.irrsinnig-menschlich.de

www.psychiatrie-aktuell.de

 

Weiterführende Literatur:

Crisp AH et al. (2000) Stigmatization of people with mental illnessess. Br J Psychiatry 2000; 177, 4-7.

Thara R, Srinivasan TN. How stigmatising is schizophrenia in India? Int J Soc Psychiatry 2000; 46:135-141.

Penn DL, Kommana S, Mansfield M ve ark. Dispelling the stigma of schizophrenia: II. The impact of

information on dangerousness. Schizophr Bull 1999; 25; 437-446.

Early Recognition and Intervention. The Key to Success in the Treatment of Schizophrenia?

Johannessen, JO: Disease Management and Health Outcomes 2001; 9 (6): 317-327.

Early Intervetion in Psychosis: the TIPS-project, a multi-centre study in Scandinavia. In: Martindale B et al, editors. Psychosis-psychological approaches and their effectiveness. Glasgow: Gaskell, 2000; 210-234.

Link BG, Mirotznik J, Cullen FT. The Effectiveness of Stigma Coping Orientations: Can Negative

Consequences of Mental Illness Labeling be Avoided? Health Soc Behaviour 1991; 32: 302-20.

Sartorius N: Fighting Schizophrenia and its Stigma. A New World Psychiatric Association Program, Brit. J. Psychiatry, 1977, 170, 297.

Phelan JC, Bromet EJ, Link GB (1998) Psychiatric illness and family stigma. Schizophrenia Bulletin, 24:

115-125.

Yarrow MR, Clausen SA, Robbins PR (1995) The social meaning of mental illness. Journal of social sciences, 11: 33-38.

Finzen Asmus (2000), Psychose und Stigma, Psychiatrie-Verlag Bonn, 2. Aufl., Preis: DM 24,80

Bäuml Josef (2000), Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. – Ein Ratgeber für Patienten und Angehörig, Springer-Verlag, Preis: DM 24,80

Hoffmann-Richter Ulrike, Psychiatrie in der Zeitung, Psychiatrie-Verlag Bonn

Finzen Asmus (2000), Schizophrenie. Die Krankheit verstehen, Psychiatrie-Verlag Bonn

 

 

 

 


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