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Allgemeinmedizin: MMW-Arzneimittelpreis für POLLINEX Quattro

Veröffentlicht am Dienstag 21 September 2004 12:18:56 von rschilke
veranstaltung.gifAachen, 14.9.2004. Anlässlich des diesjährigen Allergiekongresses, ausgerichtet von den Fachgesellschaften ÄDA, DGAI und GPA, wurde POLLINEX Quattro, die innovative Allergie-Impfung mit nur vier Injektionen pro Jahr, mit dem MMW-Arzneimittelpreis 2004 ausgezeichnet. Mit diesem Preis für "Pharmaklassiker" soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf bewährte, international erprobte und aus dem Arzneimittelschatz der modernen Medizin nicht mehr weg zu denkende Substanzen gelenkt werden. Die Entscheidung über die Vergabe des MMW-Arzneimittelpreises wurde nach Konsultation durch international bekannte Kliniker, Grundlagenforscher und klinische Pharmakologen getroffen. In seiner Laudatio verwies Professor H.S. Füeßl, Schriftleiter der MMW-FdM, München, darauf, dass sich das Unternehmen Bencard seit 70 Jahren mit der Herstellung von Allergenextrakten beschäftigt und sich in dieser Zeit "in besonderer Weise und mit enormem Forschungsaufwand um die ständige Weiterentwicklung des Prinzips der Hyposensibilisierung bemüht hat". Ein wichtiger Meilenstein der Bencard-Forschung stellte 1974 die Einführung der Allergoide in die spezifische Immuntherapie (SIT) dar. Durch die mit Hilfe von Glutaraldehyd modifizierten Allergene, deren IgE-Reaktivität durch Änderung der konformationellen Proteinstruktur verringert wurde, wurde die Verträglichkeit der SIT so verbessert, dass die maximale Erhaltungsdosis bereits nach zwei Injektionen gegeben werden konnte, so Füeßl. Unerwünschte TH2-Reaktionen, wie sie bei der Anwendung aluminiumhaltiger Extrakte in Form persistierender Granulome auftraten, konnten durch die Adsorption der Allergoide an die Aminosäure L-Tyrosin vermieden werden.
"Mit der Einführung der Allergie-Impfung mit nur vier Injektionen in drei Wochen pro Jahr hat Bencard die SIT revolutioniert. Aufgrund der wenigen erforderlichen Injektionen und der guten Verträglichkeit leistet die SIT mit POLLINEX Quattro einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Compliance und damit zur verbesserten und kostengünstigeren Versorgung allergischer Patienten", schlussfolgerte Professor Füeßl. Spezifische Immuntherapie: kausale Behandlung mit Zukunft Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Auffassung über die Ursache IgE-vermittelter Allergien steht die Fehlsteuerung der T-Zelle. Anstatt gegenüber eigentlich unschädlichen Allergenen Toleranz zu entwickeln, kommt es zu einer TH2-dominierten Immunantwort. Diese Fehlsteuerung ist reversibel, wenn dem Immunsystem im Vergleich zur natürlichen Exposition sehr hohe Allergendosen angeboten werden. Es entsteht dann einerseits Toleranz gegenüber dem Allergen, andererseits wird die Balance zwischen TH1 und TH2-Antwort auf das Allergen wieder hergestellt. Es handelt sich also bei der Immuntherapie um eine kausale Behandlung und sie ist schon deswegen anderen Therapieformen überlegen, erklärte Professor Herbert Riechelmann, HNO-Universitätsklinik Ulm. Für eine wirkungsvolle Immuntherapie werden Erhaltungsdosen von 5-20 µg Majorallergen vorgeschlagen. Um hierbei eine anaphylaktische Reaktion durch Vernetzung von Mastzell-gebundenem IgE zu vermeiden, müssen ansteigende Allergendosen bis zum Erreichen der Erhaltungsdosis appliziert werden. Mit nativen wässrigen Allergenextrakten werden zahlreiche Injektionen mit langsam ansteigender Dosierung benötigt, damit der Patient eine wirksame Erhaltungsdosis toleriert. Trotzdem sind unerwünschte Nebenwirkungen bei wässrigen Extrakten häufig. Aufgrund der erforderlichen vielfachen Injektionen und der schlechten Verträglichkeit hätte dieser Therapieform keine Zukunft ins Haus gestanden. Neben der Standardisierung der Allergenextrakte machte erst deren Modifikation die Immuntherapie alltagstauglich. Um hohe systemische Allergenkonzentrationen unmittelbar nach der Injektion zu vermeiden und die Immunogenität des Allergenextraktes zu verbessern, wurden Depotpräparate mit verzögerter Allergenfreisetzung entwickelt. Ein gut geeigneter Depotträger ist die natürlich vorkommende Aminosäure L-Tyrosin, die keine TH2-Verschiebung wie andere Depotträger bewirkt, lokal gut verträglich ist und mit einer Halbwertszeit von 48 Stunden vollständig metabolisiert wird. Allergoide wurden mit dem Ziel entwickelt, die Anzahl der für das Erreichen der Erhaltungsdosis notwendigen Injektionen weiter zu verringern und eine höhere Erhaltungsdosis zu ermöglichen. Durch Behandlung der Allergenextrakte mit Aldehyden wurde deren IgE-Reaktivität verringert und damit auch das Potential für anaphylaktische Reaktionen. Dabei konnten die therapeutisch relevanten T-Zell abhängigen immunologischen Effekte der Allergenextrakte erhalten werden. Die klinische Wirksamkeit der Immuntherapie mit Allergoiden ist in zahlreichen Untersuchungen belegt worden. Ein weiterer Fortschritt in der Entwicklung von Allergen-Impfstoffen ist der Einsatz von Adjuvanzien, die gezielt die TH1 Immunantwort verstärken. Es ist seit langem bekannt, dass Endotoxine (Lipopolysaccharide) aus der Zellwand gramnegativer Keime die TH1-Immunantwort nachhaltig intensivieren. Verantwortlich hierfür ist das Lipid A, ein Bestandteil des Lipopolysaccharids (LPS). Natürlich vorkommendes Lipid A ist äußerst toxisch und deswegen als Adjuvans ungeeignet. Monophosphoryl-Lipid A (MPL) ist ein chemisch modifiziertes Lipid A aus der Zellwand von Salmonella minnesota. Die Toxizität ist im Vergleich zum genuinen Lipid A um mehrere Zehnerpotenzen geringer, die TH1-adjuvante Wirkung jedoch weitgehend erhalten. Durch den kombinierten Einsatz von L-Tyrosin, Allergoiden und MPL erschien es denkbar, die Dosierungshäufigkeit für eine wirksame Immuntherapie auf 4 Injektionen zu reduzieren. Ein solches Dosierungsschema wird den Anforderungen vieler Patienten an ein modernes Therapieverfahren eher gerecht als die konventionelle Immuntherapie. Es liegen mehrere Studien vor, die die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Modifikation der Immuntherapie darstellen. Neue immuntherapeutische Ansätze wie die Immuntherapie mit rekombinanten Allergenen oder CpG-Allergen-DNA stehen vorerst nicht in der routinemäßigen klinischen Anwendung. Bisher war es vielmehr die stetige und konsequente Verbesserung der Immuntherapie durch Modifikation von Extrakten natürlicher Allergene, die die Zukunft der Immuntherapie gestalteten. Tyrosin-adsorbierte Allergoide mit MPL sind aus immunologischer Sicht plausibel. Diese Kombination ermöglicht ein patientenfreundliches Dosierungsschema. Aufgrund der vorliegenden klinischen Untersuchungen kann diese Form der Immuntherapie als wirksam und sicher gelten, schlussfolgerte Professor Riechelmann. Der Begriff "Allergie" entstand 1906 Die Entwicklung der allergen-spezifischen Immuntherapie ist Spiegelbild der Allergologie - und zugleich ihr Motor. Vor 100 Jahren war der Begriff "Allergie" noch unbekannt, die Prävalenz dieser Erkrankung minimal, erklärte Professor Karl-Christian Bergmann, Allergie- und Asthmaklinik Wilhelm Gronemeyer, Bad Lippspringe. 1900/1902 erschienen die ersten Berichte von H.H. Curtis (Injektion wässriger Extrakte von Pollen) und W.P. Dunbar (passiver Immunisierungsversuch mit "Pollantin"). 1906 prägte der österreichische Arzt C. Freiherr von Pirquet den Begriff "Allergie". L. Noon begann die aktive Immunisierung 1910 mit subkutanen Injektionen von Pollenextrakten, berechnet auf Pollenextrahierte Gewichtseinheiten (Noon-Einheiten). J. Freeman berichtete 1914 über 3-Jahres-Ergebnisse. R.A. Cooke korrigierte den durch A. Besredka benutzten Ausdruck "desensitization" in "hyposensitization". Eine Reihe von Entdeckungen und Verfahren förderte in den folgenden Jahren die Verbreitung der spez. Immuntherapie (SIT). Die erste Doppelblindstudie erschien 1965. Der Symptomscore als Effektivitätskriterium wurde ab 1968 akzeptiert (P.S. Norman). Olivenöl (1923), Aluminium (1937) u.a. Stoffe wurden als Adjuvanzien benutzt. Bencard führte 1974 als erster Allergenhersteller Allergoide in die SIT ein, 1999 die SIT mit nur vier Injektionen (POLLINEX Quattro). Explosionsartige Zunahme von Allergien in westlichen Ländern Im Gegensatz zur Frühzeit der Allergologie stellen Allergien heute weltweit eines der großen gesundheitlichen Probleme moderner Gesellschaften dar. Dabei bestehen jedoch deutliche Unterschiede in der Häufigkeit zwischen verschiedenen Ländern, erklärte Professor Heidrun Behrendt vom Zentrum Allergie und Umwelt der Technischen Universität München. Allergien haben in den letzten Jahrzehnten deutlich an Häufigkeit zugenommen, ohne dass die Ursachen hierfür eindeutig geklärt werden konnten. In der Schweiz war eine Zunahme der Heuschnupfenerkrankungen von 0,8 % im Jahr 1926 auf 11,1 % im Jahr 1991 zu verzeichnen. In Dänemark stieg die kumulative Inzidenz des atopischen Ekzems (Neurodermitis) von 3,2 % 1960 auf ca. 12 % 1980 an. Ein Fünftel der Kinder mit atopischem Ekzem entwickelt später ein Bronchialasthma. In Deutschland geben bis zu 20 % der erwachsenen Bundesbürger an, unter einer Allergie zu leiden. Bei Kindern zwischen 5-6 Jahren beträgt die Häufigkeit von Bronchialasthma mittlerweile 2-5 %, von Heuschnupfen 1-7 % (9-10 J. ca. 10 %), eines atopischen Ekzems (Neurodermitis) 6-19 %. Etwa doppelt so hoch liegen die Sensibilisierungsraten gegen Aero-, Nahrungsmittel- oder Insektengift-Allergene. Heuschnupfen und Asthma waren unmittelbar nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland signifikant seltener als in Westdeutschland, ebenso wie Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben und Birkenpollen. Die beobachteten Ost-West-Unterschiede haben sich seit 1997 je doch kontinuierlich angeglichen, so Professor Behrendt. Versorgungsstrukturen halten mit Prävalenz nicht Schritt Dem Anstieg der Allergieprävalenz in den letzten Jahrzehnten folgten die Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen nur unzulänglich, erklärte Professor Johannes Ring, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München. Allergiker bleiben in Deutschland über zu lange Zeiträume unerkannt und werden nur symptomatisch behandelt. Trotz ausbleibender Besserung werden sie zu spät an Allergologen überwiesen werden. Meist hängt es von der Eigeninitiative des Patienten ab, ob er eine wirksame Therapie erhält. Allergie-kranke Menschen sind in Deutschland unterversorgt. Eine nur geringfügige Änderung des Sozialrechts und des ärztlichen Berufsrechts könnte in einem Schritt zu einer gleichzeitigen Kostendämpfung und Qualitätssicherung beitragen, schlussfolgerte Professor Ring. Weitere Informationen beim Bencard Allergie Service, Postfach, 54655 Malberg oder unter www.bencard.de.

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