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Stammzelltransplantation der Universitätsmedizin Mainz erfolgreich zertifiziert
Datum: Donnerstag 12 März 2009 17:23:54
Thema: Neues aus der Medizin


Zertifikat nach den europaweit gültigen JACIE-Richtlinien erteilt

 

Auszeichnung für die Stammzelltransplantations-Einheit an der Universitätsmedizin Mainz: Das „Joint Accrediation Committee ISH-EBMT“ (JACIE) hat die Einrichtung nach ihren europaweit gültigen Standards zertifiziert. Bisher haben erst wenige Deutsche Stammzelltransplantations-Zentren diese Akkreditierung erhalten. Die Prüforganisation JACIE wurde von der europäischen Organisation für Blut- und Knochenmarktransplantation (EBMT) und der Internationalen Gesellschaft für Zelltherapie (ISH) gegründet, den beiden führenden wissenschaftlichen Organisationen in der Stammzelltransplantation. Die Anforderungen des umfangreichen Prüfprogramms sind genau auf die spezifischen Qualitätsmerkmale und kritischen Punkte der Stammzelltransplantation zugeschnitten.



Für viele Patienten mit bösartigen Erkrankungen – vornehmlich Leukämien und Lymphdrüsenkrebs – sowie für Patienten mit schwerer Immunschwäche oder hochgradiger Zellarmut des Knochenmarks ist die Stammzelltransplantation die einzige Chance auf Heilung. In Mainz wurden erstmals 1993 Stammzellen transplantiert – aktuell werden etwa 100 Patienten pro Jahr behandelt. Dabei können die Stammzellen entweder aus dem Knochenmark oder aus dem Blut des Patienten oder eines Spenders gewonnen werden. Letzteres – also die Übertragung von Blutstammzellen – ist heutzutage die Methode der Wahl. Ob die Ärzte die eigenen Stammzellen des Patienten oder Stammzellen eines Spenders transplantieren, hängt von Art und Stadium der Erkrankung sowie vom Alter des Patienten ab. In beiden Fällen wird aber zunächst eine hochdosierte Chemo- oder Strahlentherapie durchgeführt, um Leukämie-, Lymphom- oder andere Tumorzellen zu vernichten. Da hierunter auch das blutbildende System leidet oder zerstört wird, muss es ersetzt werden – durch vorher entnommene eigene Stammzellen oder durch Spenderstammzellen.

 

Im Rahmen der JACIE-Zertifizierung wird besonderer Wert auf ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System gelegt. „In Mainz haben wir beispielsweise mit verschiedenen Partnern schon sehr früh einen Qualitätszirkel gegründet, in dem wir kontinuierlich Standards und Qualitätssicherungssysteme erarbeiten“, berichtet Dr. Karin Kolbe, Oberärztin Stammzelltransplantation an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik. „Die nun erfolgte Zertifizierung durch JACIE freut uns sehr, für uns ist sie eine wertvolle Bestätigung unserer täglichen Arbeit, nach außen zeigt sie, dass die Stammzelltransplantation an der Universitätsmedizin Mainz höchsten Qualitätsansprüchen genügt.“

 

Für eine erfolgreiche Stammzelltransplantation müssen viele Bereiche Hand in Hand arbeiten, so der leitende Oberarzt des Bereichs Stammzelltransplantation Prof. Dr. Wolfgang Herr. Hierfür ist ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System zwingend erforderlich. Auf der klinischen Seite ist dies die Transplantations-Station der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik, also der eigentliche Transplantationsbereich, aber auch die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, die Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie sowie das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und das Institut für Virologie der Universitätsmedizin Mainz. Eine große Rolle spielt die Transfusionsmedizin, denn in der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin werden die Stammzellen gewonnen – heute werden sie in den meisten Fällen aus dem Blut des Spenders separiert. Schließlich werden die Stammzellen im hochmodernen Herstellungslabor für Zelltherapie der III. Medizinischen Klinik, unter Leitung von Oberärztin Dr. Daniela Wehler, aufgearbeitet und die fertigen Transplantate hergestellt.

 

Für alle diese Bereiche gibt die JACIE-Zertifizierung genaue Kriterien in Form einer umfangreichen Checkliste vor – im klinischen Bereich beispielsweise eine Mindestzahl an Transplantationen, eine bestimmte räumliche und personelle Ausstattung sowie Qualifikation des ärztlichen und pflegerischen Personals oder die Einhaltung und Umsetzung verschiedener standardisierter Vorgehensweisen, so genannter Standard Operating Procedures (SOPs). Auch bezüglich der Spenderauswahl, des Datenmanagements, der Dokumentation und der Beteiligung an Forschungsaktivitäten müssen bestimmte Kriterien eingehalten werden. „Aufgrund dieser Vorgaben haben wir im Vorfeld ein eigenständiges Programm erarbeitet“, erläutert Dr. Karin Kolbe. „Den Abschluss dieser umfangreichen Vorbereitungen bildete eine zweitägige Begutachtung durch eine dreiköpfige JACIE-Kommission, welche die Einhaltung aller geforderten Maßnahmen vor Ort überprüfte.“







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