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Nebenhöhlenentzündung
Datum: Dienstag 10 Februar 2015 12:47:42
Thema: Neues aus der Medizin


In hartnäckigen Fällen hilft eine Radionuklid-Therapie

Die Nase ständig verstopft, Schmerzen im Gesicht, im Hals nervt ein Kloß: Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhle kann Betroffenen schwer zusetzen. Schätzungsweise drei Millionen Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an chronischer Sinusitis, wie der Fachbegriff lautet. Bringen weder Medikamente noch Operationen die ersehnte Erleichterung, kann eine neue nuklearmedizinische Behandlung helfen – die Radio-Tympano-Sinu-Orthese (RTSO). Dabei bekämpfen radioaktive Partikel die entzündete Schleimhaut, wie der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) erklärt. Die RTSO dauert zehn Minuten, ist eine Kassenleistung und kommt für Erwachsene auch bei chronischer Mittelohrentzündung in Frage.

Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs gehören zu den Erkrankungen, mit denen Hals-Nasen-Ohrenärzte am häufigsten zu tun haben. In der Regel verordnen sie zunächst abschwellende oder entzündungshemmende Medikamente, Inhalationen oder Antibiotika. Halten die Beschwerden an, stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, um Eiter, entzündetes Gewebe oder Engstellen zu beseitigen. Tritt auch nach diesen Eingriffen keine spürbare Besserung ein, kann eine Radio-Tympano-Sinu-Orthese (RTSO) hilfreich sein. Dieser Begriff aus dem Lateinischen bedeutet übersetzt: Wiederherstellung nicht-entzündlicher Schleimhautverhältnisse in der Paukenhöhle oder der Nasennebenhöhle durch Bestrahlung.



„Für die RTSO sind alle Pateinten geeignet, die seit Monaten und Jahren unter einer Sinusitis oder Mittelohrentzündung leiden und mehrfach operiert wurden“, erläutert BDN-Experte Dr. med. Norbert Czech, Fellow of the European Board of Nuclear Medicine (FEBNM). „Typische Symptome in diesem Stadium sind eine nasale Stimme, Einbuße der Geruchs-und Geschmacksempfindungen und ein beeinträchtigtes Hörvermögen.“ Die Therapie, bei der HNO-Arzt und Nuklearmediziner zusammenarbeiten, wird seit 2006 angewendet. „Die ganze Behandlung dauert etwa zehn Minuten“, fügt der Bremer Nuklearmediziner hinzu.

Bevor sie beginnt, betäuben die Ärzte die Nasenhöhle des Patienten mit einem Spray. Anschließend saugt der HNO-Arzt den Hohlraum mit einem kleinen Schlauch ab. „Das Eingriffsgebiet muss sauber sein“, erklärt RTSO-Spezialist Czech. Dafür nutzt der Arzt das Loch, das zuvor für die Operationen geschaffen wurde. Anschließend verteilt der Nuklearmediziner ein bis zwei Tropfen der radioaktiven Substanz als feinen Sprühnebel auf die entzündete Schleimhaut. „Dies geschieht mittels einer kleinen Sonde“, so Czech. Als radioaktive Partikel kommen Erbium oder Rhenium in Frage.

Effekt der nuklearmedizinischen Behandlung: Die Fresszellen der entzündeten Schleimhaut nehmen die radioaktiven Partikel auf, die Schleimhautzellen sterben daraufhin ab. „Anschließend entsteht eine neue, gesunde bindegewebige Wundhaut, die die krankhafte Schleimhaut ersetzt“, sagt Czech. „Im Ergebnis weicht die Entzündung, Infektion und Schwellung klingen ab“, sagt Czech. Für die Patienten ist die Therapie ungefährlich, die Strahlenbelastung gering. „Nach wenigen Tagen ist keine Radioaktivität mehr nachweisbar“, erklärt der BDN-Experte.

Eine Studie mit 45 Anwendungen an Patienten, die an chronischer Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung litten, belegt die Wirksamkeit der RTSO. „Alle Patienten fühlten sich erfolgreich therapiert, konnten anschließend wieder riechen und schmecken und benötigten keine weiteren Eingriffe“, bilanziert BDN-Experte Czech. Die RTSO wird in spezialisierten Praxen und nuklearmedizinischen Kliniken angeboten und beansprucht nur zehn Minuten. Kinder, Jugendliche und Schwangere sind von der RTSO ausgeschlossen.

Die erwähnte Studie finden Sie unter folgendem Link:
http://www.nuklearmedizin-bremen.de/fileadmin/user_upload/pdf/downloads/62506_0001.pdf







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