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Schutz vor Killerkeimen in Krankenhäusern
Datum: Donnerstag 23 April 2015 09:47:52
Thema: Neues aus der Medizin


Chirurgen empfehlen Fragebögen und Hygieneregeln für Patienten

Das wirksamste Mittel gegen gefährliche Krankhausinfektionen ist die Vorbeugung. Sie muss schon vor der Aufnahme in die Klinik beginnen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Patienten sollten vor jeder medizinischen Behandlung einen Fragebogen ausfüllen, der Aufschluss über ihr Infektionsrisiko gibt und einem Test auf multiresistente Erreger vorgeschaltet ist. Zugleich sollten Patienten über die Grundregeln der Hygiene aufgeklärt werden. Welche konkreten Maßnahmen Chirurgen empfehlen, um Patienten sowie deren Angehörige vor den gefährlichen Infektionen zu schützen, erläuterten Experten auf einer Vorab-Pressekonferenz der DGCH anlässlich des 132. Chirurgenkongresses am 22. April 2015 in München.

Zwischen 400.000 und 600.000 Personen erkranken jedes Jahr an einer Infektion, die sie im Krankenhaus erwerben. Diese so genannten nosokomialen Infektionen (NI) fordern jährlich bis zu 15.000 Todesopfer, besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen. Große Sorgen bereitet Experten dabei die steigende Zahl multiresistenter Erreger (MRE), die auf kein Antibiotikum mehr reagieren. „Wir haben praktisch keine Waffe gegen solche Keime in der Hand“, betont Professor Dr. med. Peter M. Vogt, Präsident der DGCH.



Die Verbreitung der Killerbakterien muss daher gestoppt werden, darin sind sich Politiker und Mediziner einig. „Wir unterstützen den Zehn-Punkte-Plan des Bundesgesundheitsministeriums zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen und Antibiotika-Resistenzen“, erläutert Professor Dr. med. Claus-Dieter Heidecke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Direktor der chirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin in Greifswald. „Darüber hinaus sehen wir weitere Möglichkeiten, unsere Patienten zu schützen.“

So empfehlen die Chirurgen, die Vorgeschichte der Patienten bezüglich ihrer Infektionsgefahr vor der Aufnahme ins Krankenhaus abzuklären. Ein Fragebogen, wie ihn die chirurgische Klinik in Greifswald bereits verwendet, kann wichtige Informationen etwa über frühere Behandlungen, Auslands- oder Krankenhausaufenthalte liefern. „Liegen Risikofaktoren vor, folgt ein Test auf MRE“, so Heidecke. Ist ein Patient Träger multiresistenter Bakterien, wird die Operation verschoben. Lässt sich der Eingriff nicht aufschieben, müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden. „Eine Isolation von anderen Patienten ist ebenso sinnvoll wie eine antiseptische Ganzkörperwaschung“, erklärt Heidecke. Beides vermindert das Risiko, die Erreger weiterzugeben.

Ebenso wichtig ist eine frühzeitige Sensibilisierung der Patienten für die Problematik. „Wenn wir dem Patienten einfache Grundregeln des hygienebewussten Verhaltens im Krankenhaus vermitteln, die ihn, seine Mitpatienten und Angehörigen vor NI schützen, fühlt er sich ernstgenommen und sicher aufgehoben, was letztlich den Heilungsprozess unterstützt“, erläutert Heidecke. Schließlich seien Verunsicherung und Ängste bei Patienten und Angehörigen oft groß. Einfache Maßnahmen wie das Desinfizieren von WC-Sitz, Händen und Türklinken vor und nach jedem Toilettengang können die Gefahr einer Ansteckung deutlich reduzieren.

Weitere Infos zum Kongress: www.chirurgie2015.de.







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